Presseartikel

Und auf den Wogen der Flut sitzt der Tod

25.Februar 2014, Rheiderland Zeitung

Leer.
Wellengebraus und Möwengeschrei erfüllen das Taraxacum«, dichtgedrängt sitzt das Publikum zwischen den Regalen der einigermaßen ehrwürdigen Buchhandlung. Die auf alt gemachten Kronleuchter an der Decke verbreiten dank neumodischer Glühbirnen-Dimmung nur noch ein schwarzes Licht. Dann kündigt das Donnergrollen eines Gewitters nahendes Unheil an, ein Sturm tobt und Regen prasselt auf das Land hernieder. Was technische Effekte nicht vermögen, schafft dann er, der flinkfüßige Bote der Apokalypse: Kai Kurgan, Prophet des nahenden Untergangs, den er schon seit Jahren verkündet.
Der Weeneraner fand und findet sein Publikum, die gut 90 Sitzplätze in den Räumen an der Rathausstraße in Leer sind schon seit Wochen ausverkauft.
»Was für ein Sturm«. Schlechtes Wetter? Nein, mehr Wasser auf die Mühlen des Protagonisten. »Genau so stand es in den alten Schriften. Die Zeichen sind gesetzt. Die Prophezeiung erfüllt sich. Der Untergang ist nahe.« Kurgan zeigt auf, was die Cosmas-und-Damian- Flut vor mehr als 500 Jahren angerichtet hat, und er zeichnet ein Bild von dem, was kommen wird.
»Wir stehen erneut an der Schwelle zum Untergang. Denn wir haben nichts dazu gelernt.« Die Menschheit hat den Schlüssel zu ihrem eigenen blutigen Ende, und sie will ihn unbedingt im Schloss umdrehen. Doch die wehrt sich gegen die Beherrscher der Erde, mit Urgewalt. »Auch ihr seid verloren«, verkündet Kurgan seinen zahlenden Zuhörern, denen er die schwarze Seite Ostfrieslands zeigen will.
Ein Rheiderländer, der weiß, wovon er spricht. »Die letzten Tage von Torum«: Eine Parabel über die Maßlosigkeit der Menschen und die Macht der Naturgewalten. Die schwarze Flut verschlingt alles. Oder »Schwarze Ware«. Ist wirklich Schmuggelgut gemeint? »Als die Ems noch ein Fluss war, da ereignete sich folgende Geschichte...«, beginnt Kurgan diese Erzählung. Ein Wettlauf mit dem Tod, der verloren scheint und verloren gehen wird. Ein Schiff wird kommen, heißt es, doch dem Fährmann geht es nicht um Geld. Warum heißen manche Schiffe wohl Seelenverkäufer? Und am Ende eine Familienzusammenführung, die so keiner wollte.
Der Akteur schont weder sich noch seine Stimme, die Soundeffekte tun ein übriges, Gänsehaut-Atmosphäre. Gut, das heilende Medizin einer gütigen Zuhörerin einen endgültigen stimmlichen Bruch verhindert. »Ich trinke noch ein Schlückchen und es geht gleich weiter«, gibt sich Kurgan ungewohnt optimistisch.
Dann: »Bis zum letzten Mann«. Ein Küstendorf im Kampf gegen den Satan der See. »Die Flut kam, und auf ihren Wogen saß der Tod.« Ein Sturm, und eine Nacht ohne Morgen. Der brüchige und fast brechende Deich verlangt sein Opfer, und es soll etwas Lebendiges sein. Und der Mensch ist des Menschen Wolf, bis nur noch ein Mann übrig ist, der das mörderische Werk vollenden wird.

Michael Hoegen



Publikum spendete 3800 Euro für die Grüne Mühle

6. Januar 2014, Ostfriesen-Zeitung

Greetsiel.
Totenstille. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Mit seiner packenden und mitreißenden Art, irrem Blick und ausdrucksstarker Gestik fesselte Kai-Uwe Hanken alias „Kai Kurgan“ aus Weener das Publikum auf ihren Stühlen. Die 160 Gäste im ausverkauften Greetsieler „Haus der Begegnung“ fieberten am Sonnabend mit, als es um den Untergang Torums ging. Dass es die sagenumwobene ostfriesische Stadt wirklich gegeben hat, machte die Lage für die atemlosen Zuschauer auch nicht gerade entspannender. Nur dass im wahren Leben wohl nicht die Rache eines dem Meer geopferten Müllermädchens für den Untergang verantwortlich war.

Kai-Uwe Hanken war als einer von sieben Krimiautoren nach Greetsiel gekommen, um beim Benefizabend zugunsten der grünen Zwillingsmühle unentgeltlich Gruselgeschichten zum Besten zu geben. Mit lautem Beifall, Lachen oder aber auch entsetzten Gesichtsausdrücken wurden die „Kriminellen“, wie Organisator Peter Gerdes sie nannte, vom Publikum während der Lesungen begleitet. Im Mittelpunkt des Abends und auch der spannenden Vorträge von Juliane Göttinger, Ulrike Bliefert, Kai-Uwe Hanken, Peter Gerdes, Christiane Franke, Manfred C. Schmidt und Jürgen Ehlers stand die Mühle, die es wieder aufzubauen gilt.

Insgesamt konnten am Sonnabend etwa 3800 Euro für den Wiederaufbau der Greetsieler Zwillingsmühle gesammelt werden, wie Frank Schoof erfreut mitteilte.

Janeke Schröder



Mordsgala bringt 3800 Euro für die Mühle

6. Januar 2014, Ostfriesischer Kurier

Greetsiel.
Was im Greetsieler Haus der Begegnung am Sonnabend an Unterhaltung geboten wurde, war vom Allerfeinsten. Gut 160 Besucher erlebten bei der Benefizgala zugunsten des Wiederaufbaus der Greetsieler Zwillingsmühle, dass Spenden sehr viel Spaß machen kann. Die Mühle war Ende Oktober während eines Sturms schwer beschädigt worden. Sie büßte dabei Kappe samt Flügel und Galerie ein. Eine bunte Mischung aus Krimilesungen und Musik ließen drei Stunden wie im Flug vergehen und am Ende konnten die Veranstalter stolz rund 3800 Euro Erlös bilanzieren, zumal es auch noch einige satte Zuwendungen gab.
(...) Das Wort stimmgewaltig erhielt (...) auch bei Krimiautor Kai-Uwe Hanken, alias Kai Kurgan, eine völlig neue Dimension. Der berichtete fast dämonisch vom Untergang der Stadt Torum als Strafe für Prunksucht. Obwohl es Zeichen im Vorfeld der Sturmflut gegeben habe, hätte die Torumer sie nicht gesehen, er hoffe nur, dass die Greetsieler sie dann erkennen könnten.

Barbara Hoppe



Die dunkle Seite des Rheiderlandes

2. Dezember 2013, Rheiderland Zeitung

Bunderhee.
Nebel, es ist stockduster und nur seine Stimme ist zu hören: »Ich weiß, dass ihr da seid«, hallt es durch das alte Gemäuer des Steinhauses in Bunderhee. Autor Kai Kurgan alias Kai-Uwe Hanken aus Weener nahm mehr als 60 Zuhörer am Freitagabend mit auf eine Reise ins »dunkle« Rheiderland. Nach fast zwei Jahren kehrte er wieder zurück in die Heimat. Bereits eine Viertel Stunde vor Einlass standen die Zuhörer Schlange, um beim »Sturm aufs Steinhaus« dabei sein zu können.
Im schwarzen Gewand sitzt Kai Kurgan an einem Tisch, nimmt einen langen Schluck aus einem Krug. Entspannt sitzen die Zuhörer auf ihren Stühlen – noch. Denn schon mit den ersten Sätzen der ersten Geschichte »Das Loch« steigt die Anspannung. Kurgans markante und tiefe Stimme füllt den Raum. Sie erzählt von einem Söldner, der seit Wochen in einem Loch gefangen gehalten wird, gequält von seinen Peinigern. »Ich weiß nicht wo das Gold ist«, ruft er unter höllischen Schmerzen. Zum Überleben isst der Söldner Ratten. Bis ins Detail beschreibt Kurgan diese Szene. Die Zuhörer hören gebannt zu. Eine junge Frau kaut in der Szene versunken auf ihren Fingernägeln, eine andere Frau greift nach der Hand ihres Mannes.
Für Gänsehaut sorgt auch die zweite Kurzgeschichte des Abends »Das Gehölz«. Die kleine süße Marie hat ein Faible für einen unheimlichen Wald. Dort wurde vor einiger Zeit ein anderes kleines Mädchen ermordet. »Geh´ nicht in das Gehölz«, hatte sie ihre Mutter immer wieder gewarnt. Doch die Anziehung ist zu groß. Und auf einer Lichtung trifft sie dann auch noch einen unheimlichen Mann. Ist er der Mörder? Wird Marie sein nächstes Opfer?
Wie in vielen Erzählungen von Kai Kurgan ist auf den ersten Blick nicht alles wie es zu sein scheint. Vor der Pause gab es noch eine makabre Geschichte mit dem Titel »Mahlzeit«. Nur soviel: Zwei Halunken machen sich am Ende aus dem Staub.
Zum Einstieg in den zweiten Teil der Lesung wurde es »geistlich«: »Der irre Abt« führte die Zuhörer in ein Kloster, das von einem wütenden Mob gestürmt wird. Im Gepäck hatte Kai Kurgan auch noch die zwei Geschichten »Ein letzter Augenblick« und »Obolus«. Zum Abschluss gab es dann noch eine schwarz-komische Erzählung: »Feierabend auf der Ems«.
Untermalt wurden die Erzählungen mit dem passenden Klangbild. Für die eindrucksvolle Inszenierung sorgte Harry de Winter aus Wymeer. Der Ton- und Soundtechniker baute einzelne Tonbausteine passgenau zusammen. Kurgan hatte ein »Effekt-Gewitter« versprochen. Seine Anhänger wurden nicht enttäuscht.
Kai Kurgan zeigte seinem Publikum in Bunderhee mit sieben Kurzgeschichten die dunklen Seiten des Rheiderlands. Und nach der Lesung waren sich alle einig: Der Sturm aufs Steinhaus ist ihm mehr als gelungen - er hat es komplett erobert. Eine Rückkehr ist für 2014 geplant.

Tim Boelmann


Von Windstöchtern und irren Äbten

17. September 2013, Ostfriesen Zeitung

Engerhafe.
Das hatte es bislang in Ostfriesland noch nicht gegeben: Ein dreitägiges Literaturfestival für Kinder und Erwachsene. Dort, wo sonst eher der Folk zu Hause ist, im Gulfhof Ihnen in Engerhafe, drehte sich von Freitag bis Sonntag alles um Bücher und ums Lesen. (...)
Mit einem literarischen Kontrastprogramm und einer Premiere war am Freitagabend vor knapp 100 Besuchern Auftakt. Während die Moormerländerin Jutta Oltmanns zum ersten Mal aus ihrem neuen Roman „Windstöchter“ las und durch ihre freundliche und zurückhaltende Art für entspannte Stimmung sorgte, versetzte ihr Kollege Kai Kurgan alias Kai-Uwe Hanken aus Weener die Zuhörer mit düsteren Geschichten etwas in „Schockstarre“.
(...) Dann wurde es düster und schaurig auf der Bühne, aus dem Hintergrund breitete sich lautes Stimmenwirrwarr aus. Auf der Bühne erschien eine schwarze Gestalt, der „irre Abt“ in der Gestalt von Kai Kurgan aus Weener.
Das Schicksal des Klostermannes scheint besiegelt. Der Pöbel will ihn aus dem Kloster holen und mit dem Tod bestrafen. Nach und nach erfährt das Publikum in einer Art Rückblende die Hintergründe. Der Abt erweist sich als ein Psychopath, als ein Wahnsinniger, der aus purem Hass und verweigerter Zuneigung seinen Zögling Hauke bestalisch ermordet hat. Dafür soll er büßen.
Büßen müssen in Kurgans wohlig-schaurigen Untergangsprophezeiungen und Sagen auch die Menschen in dem Ort Torum am Dollart für ihr zügelloses und maßloses Leben, in dem sie auch vor einem Verbrechen nicht haltmachen.
Das Grauen ist bei Kurgan überall, ob in der Geschichte um den Untergang des Dorfs Torum im Dollart oder in der abendlichen Idylle der Ems. Mit ausdrucksstarker und sonorer Stimme, untermalt von effektvollen Klang- und Lichteinspielungen, inszenierte Kurgan eine perfekte Performance.
Günther Niet

Schaurig-schön bis lustig - die Sinne angesprochen

16. September 2013, Ostfriesische Nachrichten

Engerhafe.
Schon die Auftaktveranstaltung des "1. Literaturfestivals Ostfriesland" im Gulfhof Ihnen in Engerhafe war ein voller Erfolg. Die Sinne wurden angesprochen, und so verbrachten die vielen begeisterten Besucher einen kurzweiligen Freitagabend.
(...)
Nach der Pause, in der eine Signierrunde anstand, ging es unheimlich mit Kai Kurgan alias Kai-Uwe Hanken weiter. Es fiel nicht schwer, sich den rasenden Mob bei der Eroberung des Zisterzienserklosters vorzustellen. Sie wollten sich am schwarzen Abt von Ihlow rächen, forderten aus Rache seinen Kopf, denn der vermeintlich fromme Mann ist alles andere als gottgefällig. Mit sonorer Stentorstimme nahm der Autor aus dem Rheiderland die fazinierten Gäste mit auf eine unheimliche und düstere Reise. Seine Körpersprache tat ein Übriges. Es war so schön schaurig, was da von der Bühne direkt in die Köpfe ging, verstärkt durch Ton- und Lichteffekte von Harry de Winter.
Das Mädchen Marie, das ohne Angst in den unheimlichen Wald geht, ist auch nur auf den ersten Blick niedlich. Sodom und Gomorrha in Torum, der Perle am Dollart, auch das konnte nicht gutgehen. Bei beiden Autoren war das Publikum muchsmäuschenstill und war im Kopf längst nicht mehr in Engerhafe, was den Autoren ziemlichen Respekt abnötigte.
Und so gab es nach den drei schwarzen und gruseligen Geschichten noch eine Zugabe - und das war auch gut so. Denn die Geschichte einer ungewöhnlichen Fährfahrt von Ditzum nach Emden mit Schiffsbesatzung Conny und Egge sowie einer Touristenentsorgung der besonderen Art der "Ruhrpott-Rentner" Horst und Elsbeth vertrieb mit Lachsalven die Düsternis und Spannung.
Die Geschichte war zum Schreien komisch: schwarzer Humor auch in modernen Zeiten. Ja, das passte, und so verließen die Besucher den Gulfhof mit einem Lächeln im Gesicht.
hop

Sturmfahrt ins Verderben

17. Februar 2013, Sonntags Report

Leer.
Zum letzten Mal brach jetzt der Kutter "Heike" zur "Sturmfahrt ins Verderben" auf. So heißt die Lese-Reihe mit dem Weeneraner Autoren Kai-Hanken alias Kai Kurgan, die am gestrigen Sonnabend im Museumshafen von Leer zu Ende ging.
Der Kutter, der 1962 auf der Bültjer Werft gebaut wurde und von Kapitän Wilfried Voß aus Jemgum gesteuert wird, bot ein stimmungsvolles Ambiente für insgesamt sieben Erlebnislesungen, die alle in kurzer Zeit ausgebucht waren. Dabei entführte Hanken in eine düstere Welt am Dollart und las diverse neue Geschichten, die extra für diese Lesungen geschrieben worden sind.
Ein Teil des Erlöses kam der Arbeit des Vereins „Ostfriesische Krabbenkutter“ zugute, der Eigner des Kutters ist. Die "Heike" gehörte früher zur Krabbenkutter-Flotte Ditzums. Heute unternimmt sie unter anderem Ems-Fahrten für den NABU. Außerdem sind auf dem Kutter standesamtliche Trauungen möglich.

Dollartflut rauscht im Ohr

22. April 2012, Sonntags Report
Von Nico Lindner

Lambert träumt. Es sind keine schönen Träume, die den Mönch nachts begleiten. Seine Heimat wird von Wassermassen verschlungen, viele Menschen, die er kennt und liebt, sterben.
Der Traum wird zur Wirklichkeit. Gottes Fluch? Rache für die Wolllust und Maßlosigkeit der Menschen, die lieber in der Schänke einen Krug Bier leeren, als in der Kirche für ihr Seelenheil zu beten und Mäßigung zu praktizieren?
Der Rheiderländer Journalist und Autor Kai-Uwe Hanken verleiht den Gedanken des verzweifelten Mönchs seine markante und tiefe Stimme. Er ist auch Urheber der Geschichte, die in den Spätsommer des Jahres 1509 führt. Die Dollart-Flutkatastrophe ist eines der Lieblingsthemen des Weeneraners. In „Dollartgold“ stellte er bereits Sagen und Erzählungen zusammen, um dem Leser eine Vorstellung davon zu geben, was damals über die Menschen hereinbrach.
„Lamberts Traum“ ist beileibe kein Hörspiel. Elf Kapitel lang zieht Hanken den Hörer unter die Oberfläche einer Geschichte, die keinen guten Ausweg kennt. Trotzdem muss man zuhören, erweckt Bilder im eigenen Kopf: Etwa das vom Hund, der lebendig begraben wird. Oder dem Kind, das Opfer von Plünderern geworden ist. Nur: Ist dem wirklich so?
Während Kai-Uwe Hanken seine tiefe und markante Stimme an den Mönch Lambert weitergibt, ist es Harry de Winter, der das passende Klangbild formte. Der Musiker und Produzent aus Wymeer fügte Tonbausteine wie den Mönchsgesang oder das Glockengeläut hinzu. In seinem Studio wurde der Dollart-Weltuntergang auf CD gebannt. Gemeinsam mit den Cover-Fotografien von Wolf-Dieter Tabbert bekommt eine der dunkelsten Stunden unserer Region ein greifbares Bild. Fesselnd und detailreich kommen vor allem Freunde der Heimatgeschichte auf ihre Kosten. Außerdem Hörbuch-Fans, die sich ein einnehmendes Erlebnis für ihre Ohren wünschen, dass sie mitunter auch zwei Stunden nach dem Genuss noch nicht schlafen lässt...

Das Hörbuch „Lamberts Traum“ kostet 9,90 Euro und ist u.a. bei Klinkenborg (Weener) und Borus (Bunde) erhältlich, wahlweise über info@hanken-net.de zzgl. Porto/Verpackung bestellbar.

Die Flut als Albtraum

Februar 2012, Ostfriesland Magazin
Von Hilka H. Jeworrek

Eine Saga von Tod und Verderben, menschlichen Abgründen und Versuchungen.
Kai-Uwe Hanken erzählt im Hörbuch "Lamberts Traum" die Geschichte einer Flut-Katastrophe an der ostfriesischen Nordseeküste.

Schreiend erwacht der junge Mönch Lambert in seiner Zelle im Kloster der Prämonstratenser zu Doccum. Der Klang von Donnergrollen und stürmischen Böen ist noch in seinem Kopf präsent. Er ringt nach Atem. Gerade eben wollten ihn noch die Fluten des Dollart verschlingen. Er hatte es nicht geschafft, die rettende Hand seines Vaters zu erreichen. Fast jede Nacht träumt Lambert von der alles verzehrenden Flut.

Es ist das Jahr 1509. Der September hat schwere Stürme gebracht, der Dollart vergrößert sich und die Nordsee entreißt den Menschen Ostfrieslands zunehmend Land. Zahlreiche Siedlungen und Dörfer sind bereits in der See untergegangen. Lambert sorgt sich um seine Eltern, deren Haus auf einer Warft in Küstennähe steht. Auf eine Nachricht erhielt er keine Antwort. Gemeinsam bieten er und sein enger Freund Eckbert ihre Hilfe der Klostergemeinschaft Porta Sanctae Mariae am Dollart an. Lambert hofft, von dort aus seinen Eltern einen Besuch abstatten zu können. In der Bibliothek des Klosters findet Lambert Aufzeichnungen über frühere Überflutungen der Region und er erinnert sich an Geschichten aus seiner Kindheit. Die Fischer erzählten damals von der reichen Stadt Torum an der Ems, deren stolze Bürger Maßlosigkeit, Laster und Sünde Tür und Tor öffneten. Während einer Sturmflut entschlossen sich die von Gott verlassenen Städter, dem Meer ein Menschenopfer darzubringen, um die wilde
See zu beruhigen. Doch sie hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Schon die mit düsteren Fotografien gestaltete Hülle der CD lässt eine Geschichte mit verhängnisvollem Ausgang erwarten. Kai-Uwe Hanken, seit Januar Chefredakteur der Rheiderland Zeitung, zieht den Hörer von der ersten Minute an in seinen Bann. Mit geschulter Stimme gibt der Sprecher und Autor des Hörbuchs der Dramatik von Beginn an einen Raum. Verstärkt wird der Eindruck der Hilflosigkeit des Protagonisten Lambert durch gezielt eingesetzte akustische Effekte, die die schaurige Atmosphäre untermalen.
Die fiktive Erzählung basiert auf den katastrophalen Ereignissen der Cosmas- und Damianflut vom 25. und 26. September 1509, die weite Teile der ostfriesischen Küste überschwemmte. Die Flut verursachte auch im Rheiderland verheerende Schäden; der Dollart erreichte seine größte Ausdehnung und auch der Jadebusen vergrößerte sich. Als Folge der Naturkatastrophe mussten die Siedlungen Torum, Wilgum und Fletum sowie das Kloster Palmar aufgegeben werden. Andere Ortschaften versuchte man durch Umsiedlung zu retten.

Das Ausmaß der Überflutungen hätten von den Friesen verringert werden können. Allerdings hatte sich die Region rund um den Dollart zuvor fast 200 Jahre in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand befunden. Die friesischen Parteien der Schieringer und Vetkoper standen sich im Zeitraum von 1325 bis 1496 in kriegerischen Konflikten gegenüber, die letztendlich die Grundlage für die heutige Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden bildeten. Dabei kam es nicht nur zur Vernachlässigung des Küstenschutzes, sondern auch zu mutwilligen Zerstörungen der Siele und Deiche, was letztendlich die Flutkatastrophe begünstigte. hhj

Es gibt Gruseliges aus stürmischen Zeiten zu hören

26. Oktober 2011, Emder Heimatblatt
Von Werner Jürgens

Kai-Uwe Hanken hat eine
Auswahl seiner besten Geschichten
als Hörbuch eingesprochen.
CD „Lamberts
Traum“ beim Autor erhältlich.

Weener. Seine Lesungen sind längst kein Geheimtipp mehr und deswegen meistens schnell ausverkauft. Also hat der im Rheiderland beheimatete Autor und Journalist Kai-Uwe Hanken kurzerhand die Flucht nach vorne ergriffen, sich in ein Studio begeben und eine Auswahl seiner besten Geschichten als Hörbuch auf eine CD eingesprochen. „Lamberts Traum“ heißt der Tonträger, der ab sofort erhältlich ist.
Alle Geschichten spielen im Rheiderland vor dem Hintergrund eines historischen Ereignisses, das sich im September 1509 tatsächlich zugetragen hat. Seinerzeit wütete an der Nordseeküste eine schwere Sturmflut, die zahlreiche Dörfer und Klöster in der Dollart-Region vernichtete. Weil die Faktenlage dennoch ein bisschen dürftig ist, ranken sich um diese Katastrophe allerlei Legenden.
Eine davon betrifft eine Stadt namens Torum, die laut überlieferten Erzählungen einem Atlantis im Dollart geglichen haben und mit immensen Reichtümern gesegnet gewesen sein soll. Da die Gier der Bewohner ständig wuchs und sie den Hals nie voll genug bekommen konnten, schickte Gott irgendwann als Strafe die Flut und ließ die Stadt untergehen. Mahnende Prophezeiungen, die die Menschen zur Umkehr und Besinnung hätten bringen sollen, hatte es danach zuvor bereits zuhauf gegeben. Kai-Uwe Hanken hat solche und ähnliche Legenden bereits in einem Buch nacherzählt und sie durch eigene Geschichten ergänzt. Dieses Konzept hat er auf seinem Hörbuch fortgesetzt und weiter ausgebaut.
Als Rahmenhandlung dienen die Tagebuchaufzeichnungen eines Mönches namens Lambert, der, von unheimlichen Visionen geplagt, sein angestammtes Kloster verlässt, und sich voller Sorge auf die Suche nach seinen Eltern begibt. Insgesamt dauert der Tonträger rund 75 Minuten, wobei bestimmte Erzählungen bei Bedarf für sich stehen und einzeln abgespielt werden können.

Glänzender Sprecher

Allerdings muss man von diesem Modus nicht unbedingt zwangsläufig Gebrauch machen. Erweist sich Kai-Uwe Hanken doch auch im Studio als glänzender Sprecher und Erzähler. Einmal mehr gelingt es ihm exzellent, seine Hörer von der ersten bis zur letzten Sekunde zu fesseln. Seine Stimme vermittelt einerseits wohlig-schaurige Gruselatmosphäre, lässt aber anderseits ab und an einen leichten Hauch von Ironie durchblitzen. Selbst ein moralischgesellschaftskritischer Impetus wird phasenweise spürbar. Immerhin geht es für die Protagonisten in den Erzählungen angesichts der dramatischen Ereignisse um die nackte Existenz.
Und wenn das der Fall und mithin jeder nur noch sich selbst der Nächste ist, tun sich ja meistens menschliche Abgründe auf. Maßgeblichen Anteil daran, dass der Spannungsbogen nie verloren geht, hat darüber hinaus der Tonmeister und Produzent Harry de Winter, in dessen Studio in Wymeer die CD aufgenommen wurde. Der gebürtige Holländer ist zwar eigentlich eher bekannt als Musiker (unter anderem von den „New Adventures“ oder als Mitglied der Tour-Bands von Peter Maffay und Udo Lindenberg), erweist sich im Falle von „Lamberts Traum“ jedoch als mindestens genauso geschickter Geräuschemeister, der von der scharrenden Schreibfeder über das Glockengeläut bis hin zum wilden Sturmgebraus stets für den passenden „Sound“ im Hintergrund sorgt. Abgerundet wird dieses Paket durch ein sehr ansprechend gestaltetes Cover und CD-Design, für das der in Weener geborene und heute in Gütersloh lebende Fotograf Wolf-Dieter Tabbert herrlich stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Bilder beigesteuert hat.
H Die CD „Lamberts Traum“ kann am besten direkt über die Internetseite des Autors bestellt werden: www.hanken-net.de.
Die E-Mail-Adresse lautet: info@hanken-net.de.

Geschichten aus dem Herzen der Finsternis

Die Steintaler-Crew: (von links) Harry de Winter, Kai-Uwe Hanken und Wolf-Dieter Tabbert. Foto: Hoegen

11. Oktober 2011, Rheiderland Zeitung
Von Michael Hoegen

Bunderhee. Das Knarren der Holzbohlen über dem Turmzimmer, während der Protagonist des Abends unruhig in dem Raum über dem Zimmer herum wandert, hat etwas Unheimliches. Das Steinhaus in Bunderhee hat seine ganz eigene Atmosphäre. Und es hat seinen Herrn, der sich gleich an zwei Abenden Gäste eingeladen hatte. »Dona eis requiem«, riefen die Glocken und ein Mönchchor das Publikum zum Beginn des Spektakels in das spärlich beleuchtete Zimmer. Doch Ruhe, Ruhe sollte den Zuhörern nicht gewährt werden.
Nette Worte zur Einleitung sprach Dr. Rolf Bärenfänger, Direktor der Ostfriesischen Landschaft, die Eigentümer der alten Häuptlingsburg an der Steinhausstraße ist. »Ich darf sie in dieser urigen Atmosphäre hier herzlich willkommen heißen. So einen Abend haben wir hier noch nicht erlebt. Es ist ein wunderschönes Haus, es hat begrenzten Platz. Aber das macht seinen Charme aus.« Autor Kai-Uwe Hanken, dem die Karten für seine Lesung fast noch druckfrisch aus den Händen gerissen wurden, hatte gleich zu zwei »Steintaler«-Abenden eingeladen, die schnell ausverkauft waren. Für die rund 150 Zuhörer der beiden Lesungen gab es nicht nur Überraschendes und Unheimliches rund um das steinerne Monument zu hören. Die »Steintaler«, die sie am Einlass zu entrichten hatten, sollten der Ausstattung des Gebäudes direkt zugute kommen. Mittlerweile ist das Steinhaus, der alte Wehrturm und sein Anbau, aufs trefflichste saniert. Das Dach ist dicht, die Fenster saniert, aber an Mobilar fehlt es immer noch. Rund 1000 Euro kamen bei der Benefiz-Lesung zusammen.
Dr. Bärenfänger ist bewusst, dass noch improvisiert werden muss, aber die Landschaft als Herrin des Hauses, soweit es das Grundbuch angeht, hält an ihrem Plan fest, aus dem Steinhaus ein öffentliches Haus zu machen. »Wir sind ganz am Anfang und haben in diesem Herbst einige Probeveranstaltungen. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis alles rund läuft, und enorme Investitionen erfordern. Sie nehmen diese Unannehmlichkeiten hin, dafür danke ich Ihnen«, so Dr. Bärenfänger zum Publikum. Sein Dank galt auch der Freiwilligen Feuerwehr Bunderhee, die mit der Ausleuchtung eines Parkplatzes dafür sorgte, dass alle Besucher sicher und auch wohl trockenen Fußes ins Steinhaus kamen. Direkt auf dem Grundstück steht kein Parkraum zur Verfügung.
Der warmen Worte waren es genug, als der Hauptakteur des Abends durch die Tür des Turmzimmers trat. In einen schweren Reisemantel gehüllt, mit der lichtspendenden Laterne in der Hand, schaute er sich um. Ein Reisender, ein Wanderer durch die Welten an seinem Ziel. »Ich bin da. Im Herzen der Finsternis. Das Steinhaus.«
Mit seiner Lesung beschwor Kai-Uwe Hanken die Geister der Vergangenheit, das Steinhaus ist für den Erzähler verflucht. Drei Geschichten behandeln die sagenhafte weiße Frau, die in dem Gebäude ihr Unwesen treiben soll. Sei es in »Geros Rätsel« die nette blonde Tochter des finsteren Häuptlings, die ihrem Vater nichts abschlagen kann, was leider nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen scheint. Sei es in einem wirren Traum ein Wesen aus der Schattenwelt, weder Mensch, Frau noch Bestie - oder einfach eine nervende Hausmeisterin in einem weißen Kittel, die ein böses Ende nimmt. Kein noch so blutiges Detail wird dem geneigten Zuhörer erspart. Und wer all´ das Böse bannen will, dem empfiehlt der Herr im schwarzen Mantel »die Scheibe des Lichts«. Kein schmucker Foliant, vielmehr ein ganz neumodischer Datenträger, das Hörbuch »Lamberts Traum«. Mittlerweile im Handel und wohlfeil für 9,90 Euro auch im Hause der RZ erhältlich.
Die drei »Steinhaus«-Geschichten wird der geneigte Hörer auf dem Silberling vergeblich suchen, sind sie noch unveröffentlicht. Dafür gibt es unter anderem die traurige Kunde über das schlimme Ende von Torum zu hören.

"Die Tintenkiller" gaben Krimi-Kostproben

2. Dezember 2010, Ostfriesen-Zeitung
Von Rudi Meyer und Stephan Schmidt

Stapelmoor. Winterzeit ist Lesezeit. Das wurde am Freitagabend wieder deutlich. Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Lesung des Autorenzirkels "Die Tintenkiller" in der Teescheune Wichers in Stapelmoor.
Wibke Hesse und Irmgard Gravemann aus Hesel sowie Kai-Uwe Hanken (Pseudonym Kai Kurgan) aus Weener lasen den mehr als 60 Zuhörern bei Kerzenschein Kurzgeschichten aus ihren Büchern vor. Dabei waren die Gäste nicht nur von den Geschichten selbst, sondern auch vom Ambiente begeistert. "Ein toller Ort für Lesungen, das sollte man öfters hier machen", meinte ein Besucher.
Zur "Tintenkiller"-Gruppe aus dem Landkreis Leer gehören außerdem Ulrike Barow und Volker Feldkamp aus Leer sowie Kerstin Körte aus Ihrhove. Zusammen brachten die sechs Autoren ihre Geschichtensammlung "Über den eigenen Schatten" heraus. Sie enthält 18 Kurztexte vom Krimi bis zur Gruselgeschichte. Weitere Lesungstermine werden derzeit vorbereitet.

Mordsmäßige Geschichten zum Tee

Lesung in der Mühle Wichers. Foto: Nagel

30. November 2010, Rheiderland Zeitung
Von Martina Nagel

Stapelmoor. Eine frostige Novembernacht, in der die Stapelmoorer Mühle hinter dichtem Nebel gespenstisch verblasst - besser arrangiert hätte das Ambiente zur Lesung der Autorengruppe »Tintenkiller« in der Teescheune in Stapelmoor nicht sein können.
In der ausverkauften Scheune lasen drei Autoren der eigentlich sechsköpfigen Gruppe »Tintenkiller« eigene, »mörderische« Kurzgeschichten. Im Holzlehnstuhl neben einem Stangenofen und umrahmt von alten Spaten und Rulleke-Eisen lasen die Leeranerinnen Irmgard Gravemann und Wibke Hesse sowie der Weeneraner Kai-Uwe Hanken.
Gravemann machte den Anfang mit einer »nicht ganz so blutrünstigen«, wie sie selbst vorstellte, dramatisch-komischen Geschichte. Mit ihrem zweiten, längeren Text »Krimi ohne Tote« stimmte sie die 55 Zuhörer auf die folgenden mörderischen Gechichten ein. So wurde ihr eher drehbuchartiger Krimi, der an einen gekürzten Tatort erinnerte, von Hankens eigens für den Abend verfasste Mühlengeschichte »Mahlzeit« abgelöst.
Mimik, Gestik, verstellte Stimmlage - als geübter Vorleser schaffte es Hanken dem Publikum vereinzelte, von Ekel erfüllte Seufzer zu entlocken, als er erzählte, wie sich mit Hilfe von Müller Beene zwei Tunichtgute »aus dem Staub machten«.
Nach einer Tee- und Kuchenpause, in der die Autoren auch einige Exemplare ihres Gruppenprojektes, der selbstverlegten Kurzgeschichten-Sammlung »Über den eigenen Schatten«, verkauften, machte es sich Hanken mit seiner zweiten Geschichte zur Aufgabe, die Stimmung zu drücken.
»Ja, Sie lachen noch - gleich nicht mehr.« Der Autor behielt recht. Erst nach seiner düster-dramatischen Sturmflutgeschichte »Bis zum letzten Mann« kitzelte Autorenkollegin Hesse mit ihrer Geschichte »Advent, Advent« wieder Lacher aus dem Publikum heraus. Ihr Text, in dem die Hauptfigur im Advent mit Vorgesetzen und Familie »aufräumt«, ist gespickt mit schwarzem Humor. Hesse, die zum ersten Mal vor Publikum gelesen hatte, gelang ihr Debüt.
»Was Lustiges« versprach darauf auch Hanken zum Abschluss. In der letzten Kurzgeschichte des Abends trafen die Fährmänner Connie und Egge auf die Ruhrpott-Rentner Lisbeth und Horst. Eine »mordslustige« Geschichte, die Hanken bereits auf früheren Lesungen vortrug und die von einigen Gästen nach den ersten Zeilen erkannt und den Nachbartischen mit nach oben gericheten Daumen empfohlen wurde.
Die Autoren entließen ihr Publikum somit ohne schaurigen Nachgeschmack in die neblige Novembernacht.
Weitere Lesungen der Gruppe »Tintenkiller« sind für Januar in Leer und Februar in Ihrhove geplant.

Ein vergnüglicher Leseabend

25. Oktober 2010, Ostfriesische Nachrichten

Ihlowerfehn. Mit sanften Gitarrenklängen eröffnete Sönke Meinen am vergangenen Freitag einen Leseabend bei Kerzenschein im Restaurant "Strandfloh" am Ihler Meer.
Zum zweiten Mal hatte der "Runde Tisch", der sich für die Belebung des Ihler Meeres einsetzt, dazu eingeladen. "In dieser dunklen, ungemütlichen Jahreszeit ist ein Leseabend bei Kerzenschein genau das Richtige", findet Hinrich Tjaden, Mitglied des "Runden Tisches".
Nach einer eher schlechten Resonanz im vergangenen Jahr erhofften sich die Organisatoren nun umso mehr. Und es hat geklappt. Ein voller Saal
und herbstlich dekorierte Tische erwarteten die drei Akteure des Abends.
(...)
Düsteres aus eigener Feder steuerte der Redakteur und Autor Kai-Uwe Hanken bei. Mit dunkler Stimme und einer ausdrucksvollen Gestik brachte der Mann aus dem Rheiderland seine Zuhörer zum Schweigen und Nachdenken. Passend zum Ort hatte er das Stück "Der irre Abt von Ihlow" mitgebracht.

Autor warnte: "Das Ende ist nah"

3. März 2010, General-Anzeiger

Ihrhove. Regen peitschte an die Scheiben des Hauses "Wo(h)ltat" in Ihrhove, und im Inneren entfachte Kai-Uwe Hanken einen Grusel-Sturm. Der Autor aus Weener stellte den Zuhörern sein Werk „Dollartgold“ vor. Die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Westoverledingen, Petra Rosenboom, hatte ihn dazu nach Ihrhove eingeladen. Die Zuhörer erlebten eine dramatische Reise durch das sturmgepeitschte Rheiderland des 16. Jahrhunderts.
„Das Ende ist nahe!“, warnte Hanken sein Publikum. Er war in die Rolle des düsteren Dollartpropheten geschlüpft. Im Mittelpunkt standen einige unheimliche Geschichten des Autors zur Cosmas- und Damianflut, die vor 500 Jahren an der Nordseeküste wütete.
Hanken nahm sein Publikum mit auf eine Tour durch eine Welt am Rande des Abgrunds. In der Geschichte vom Untergang des Ortes Torum tauchten die Zuhörer in eine dekadente Gesellschaft ein, deren sündhaftes Treiben ins Verderben führte. Dass der Überlebenskampf der Dollart-Anrainer auch üble Schurken auf den Plan rief, zeigte die fiktive Geschichte von einem „Aasgeier der Apokalypse“, der mit seinem Wagengespann die Küstenlinie entlangstreift und die verlassenen Häuser der Flut-Flüchtlinge plündert. Er findet schließlich ein unsägliches Ende im Watt.
Mucksmäuschenstill saßen die Zuhörer da, als Hanken seine erst vor kurzem fertiggestellte Geschichte „Sturmnacht“ vorstellte. Beschrieben wird darin der verzweifelte Kampf einer Schicksalsgemeinschaft gegen die Sturmflut. Vielen Besuchern liefen dabei kalte Schauerwellen über den Rücken.
Nach soviel „schwerer Kost“ war es Zeit für einen lockeren Nachschlag: Den gab es in Form der Erzählung „Feierabend an der Ems“ – eine Geschichte mit viel schwarzem Humor und schrulligen Typen. Bevor die Zuhörer ihr Nervenkostüm mit einer Tasse Tee beruhigen konnten, bedachten sie den Autor mit viel Beifall.

Lieder und Texte mit Herz und Raserei

23. Februar 2010, Rheiderland-Zeitung

Leer. (...) Rund 50 Gäste erlebten einen Abend mit Liedern und Texten nach dem Motto »Bi uns to Huus«. Jan Cornelius und sein Trio Dreiklang, dem auch Christa Ehrig gefühlsstark am Cello und Klaus Hagemann mit viel Humor an der Gitarre angehören, gaben der Veranstaltung einen ganz verträumt-heimatnahen, roten Faden. Das Liedprogramm erntete großen Beifall. Es war mit »Jonnys lüttje Laden« und den »Wille Gosen« ganz im Rheiderland angesiedelt.
Das Lesungsprogramm gestalteten Insa Segebade, Peter Gerdes und Kai-Uwe Hanken. Insa Segebade las aus ihrem Roman »Der Heiler«. Enno aus dem Rheiderländer Holtegaste schließt sich 1409 den Ihlower Zisterziensern an und wird zum »Heiler«. Eingebettet in eine hervorragend recherchierte historische Rahmenhandlung wird der Kleriker mit den Herausforderungen des Lebens konfrontiert. Peter Gerdes las aus seinem Langeoog-Krimi »Sand und Asche«. »Heute möchte ich Ihnen die medizinischen Aspekte des Abnehmens präsentieren.« Bei den Diät-Eskapaden seines Kommissars Stahnke amüsierte sich das Publikum prächtig.
»Die Sturmnacht« von Kai-Uwe Hanken war kein Fall von Understatement. Erzählt wird die Geschichte einer Dorfgemeinschaft im Kampf gegen Flut und brechende Deiche. Als das Flehen um »Beistand im Kampf gegen den Satan, die See« in dumpfe Angst und den skrupellosen Irrsinn des Aberglaubens umschlägt, versinken Zivilisation und Menschlichkeit schnell in den Fluten.
Wenn etwas archetypisch ist, dann ein vorlesender Kai-Uwe Hanken in Weltuntergangsraserei. Was mag passieren, wenn der Mann Shakesspeare liest? Sprache, Körper, Mimik und Gestik beschworen einen magischen Sturm. Der Autor ließ pechschwarze Wolken heraufziehen und tiefstes Dunkel von der kleinen Bühne in den Zuschauerraum kriechen. Dem schlicht begeisterten Publikum blieb nur ein Fazit: »Das Ende ist nahe…« Wer das nicht glaubt, sollte den Autor bei seiner nächsten Lesung am Freitag, 26. Februar, um 19.30 Uhr im Haus Wo(h)ltat in Ihrhove besuchen und sich unbedingt eine eigene Meinung bilden.
Der Benefiz-Abend nahm jedenfalls mit viel Applaus für alle Beteiligten ein gutes Ende. Gretel Bluhm-Janssen beantwortete Zuschauerfragen und lud ein: »Informieren Sie sich bei uns vor Ort. Für eine Tasse Kaffee finden wir immer etwas Zeit.« fl

Aus Hochachtung für den ehrenamtlichen Einsatz

9. Februar 2010, Ostfriesen-Zeitung
von Hartmut W. Fischer

Leer. Im Mittelpunkt des Benefiz-Abends "Bi uns to Huus" stand die Hospiz-Initiative Leer. Initiator Jan Cornelius hatte "aus Hochachtung für den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Helfer" in den Kulturspeicher eingeladen. Rund 50 Gäste erlebten einen wunderbar familiären Abend.
Das Programm gestaltete Jan Cornelius mit seinem Trio "Dreiklang". Dazu gehören neben dem Liedermacher Christa Ehrig am Cello und Klaus Hagemann an der Gitarre. Die drei waren mit ihrer Musik tatsächlich "to Huus". Da hieß es, die Augen zu schließen und zu genießen und sich von so viel klingender Poesie in die weite Landschaft tragen zu lassen.
Plattdeutsche Liedtexte und norddeutsche Lokalkolorit zogen sich wie ein roter Faden durch ein unterhaltsamer Lesungsprogramm mit Insa Segebade, Peter Gerdes und Kai-Uwe Hanken. (...)
Wer wissen wollte, wie viel Drama auf einen Stuhl passt, bekam auch eine Antwort. Kai-Uwe Hanken nahm Platz und legte los. In der gerade erst fertig gewordenen Geschichte "Sturmnacht" geht es um den verzweifelten Kampf einer Dorfgemeinschaft gegen eine Sturmflut. Solidarität schlägt in grausamen, dumpfen Aberglauben um. "Die See brodelte wie ein Höllensumpf". Hanken auch. Mit irrem Blick, Mimik und Gestik gab er wie en Reiter der Apokalypse dem Pferd die Sporen. Das Publikum war fasziniert. (...)
Der Abend war ein Erfolg. Für das Hospiz kamen 500 Euro zusammen.

Mythen und Fakten rund um die Dollart-Region

2. Januar 2010, Ostfriesische Nachrichten
von Werner Jürgens

Weener. Liegen tief unten im Dollart möglicherweise wertvolle Schätze, die nur darauf warten, gehoben zu werden? Das lässt jedenfalls der Buchtitel "Dollartgold" vermuten. Verfasst worden ist das Werk von Kai-Uwe Hanken. Er hat bekannte Sagen und Erzählungen rund um die Dollartregion aufgeschrieben und diese mit eigenen Geschichten ergänzt.
Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt dieser Sagensammlung ist ein historisches Jubiläum. 2009 jährte sich zum 500. Mal die Cosmas- und Damianflut, von der Ostfriesland und hier speziell die Dollartregion besonders hart in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Indes ist die Faktenlage äußerst dürftig, was von jeher den wildesten Spekulationen Tür und Tor geöffnet hat. Eine davon betrifft eine Stadt namens Torum, die laut überlieferten Erzählungen einem Atlantis im Dollart geglichen haben und mit immensen Reichtümern gesegnet gewesen sein soll. Da die Gier der Bewohner ständig wuchs und sie den Hals nie voll genug bekommen konnten, schickte Gott irgendwann als Strafe die Flut und ließ die Stadt untergehen. Mahnende Prophezeiungen, die die Menschen zur Umkehr und Besinnung hätten bringen sollen, hatte es danach zuvor bereits zuhauf gegeben.
Dass die meisten dieser Prophezeiungen erst nach der Flut entstanden sind und auch andere Aspekte wie kriegerische Auseinandersetzungen eine gewichtige Rolle bei der Zerstörung von Deichen und zahlreichen Dörfern gespielt haben, erfährt der Leser dann in einem kommentierten Anhang. Diese Doppelstrategie kennzeichnet das gesamte Buch und macht seinen besonderen Reiz aus. Hanken erzählt die Geschichten zunächst so, wie sie überliefert worden sind und wie man sie sich teilweise bis heute erzählt. Anschließend klopft er sie auf ihren Wahrheitsgehalt ab und schildert, was vermutlich wirklich passierte und wahrscheinlich nichts weiter als ein reiner Mythos ist.
Neben den Ereignissen rund um die Cosmas- und Damianflut gibt es weitere Geschichten, zum Beispiel über den Nesserlander Kinderbrunnen, die Amelburg von Jemgum, den Blutstein von Stapelmoor oder einen allseits gefürchteten Räuber namens Kuper Jan van´d Heid, der irgendwann im 18. Jahrhundert in Holthusen sein Unwesen trieb.
Ergänzend dazu flechtet Hanken immer wieder eigene Erzählungen ein, die sich den anderen Sagen stilistisch hervorragend anpassen. Sehr gelungen ist beispielsweise die Idee, die Figur eines Spitzbuben zu kreieren, der die Wirren der Sturmflut schamlos auszunutzen versucht, indem er seine Mitmenschen ausplündert.
Am Ende gelingt es dem Autor sogar, einen Bogen in die Neuzeit zu spannen. Die Titelgeschichte "Dollartgold" erzählt nämlich von einem hochmodernen Forschungsschiff, welches im Dollart unterwegs ist und hier tatsächlich auf einen Schatz stößt. Selbst wenn der letztlich ein bisschen anders aussieht, als die Schatzsucher das erwartet haben, zeigt sich nicht nur in dieser Geschichte einmal mehr, dass in vielen Sagen und Märchen eben doch stets ein Körnchen Wahrheit steckt.

"Dollartgold" von Kai-Uwe Hanken ist im Risius-Verlag in Weener erschienen. Nähere Informationen zu dem Buch findet man im Internet unter www.dollartgold.de

Sagenzeit im Krankenhaus

27. Dezember 2009, Rheiderland-Zeitung

Weener/Jemgum. Im "Raum der Stille" wurde es am 1. Weihnachtstag zuweilen etwas lauter: Der Weeneraner Autor und RZ-Redakteur Kai-Uwe Hanken war hier zu Gast, um weihnachtliche Sagen und Märchen aus dem Rheiderland für die Patienten und Mitarbeiter des Krankenhauses Rheiderland zu lesen. Dabei gab es eine Premiere: Die Lesung wurde mittels der neuen Übertragungsanlage des Hauses in die Patientenzimmer gesendet.
Als vor einigen Wochen im Rahmen der Mitgliederversammlung des Krankenhausvereins über die neue technische Anlage berichtet wurde, entschloss sich Hanken spontan zu einer Weihnachtslesung. Dazu hatte er einen besonderen Gast mitgebracht: Seine fünfjährige Tochter Famke trug aus ihrer Kinderbibel die Geschichte vom barmherzigen Samariter vor. Hanken selbst las aus seinem neuen Buch "Dollartgold" Sagen-Klassiker wie etwa die Erzählung vom Schatz von Marienchor, dem Untergang von Weener oder der weißen Frau im Steinhaus Bunderhee. Zwar klappte die Funkübertragung in die Patientenzimmer nicht immer wie gewünscht, doch Jakobus Baumann, Krankenhausvereinsvorsitzender, versprach: "Wir arbeiten weiter an Verbesserungen des Raumes und möchten auch künftig von hier aus Lesungen, Vorträge und Andachten übertragen." Auch vom Foyer aus können Auftritte gesendet werden. Diese Möglichkeit soll jetzt speziell Rheiderländer Chören und Musikgruppen angeboten werden.
Für Kai-Uwe Hanken bildete die Benefiz-Lesung im Krankenhaus den Jahresabschluss. Bereits eine Woche zuvor hatte er - zum letzten Mal im Rheiderland - sein Lesungsprogramm "Dollartgold" im Jemgumer Sielhus vorgestellt. Trotz widriger Wetterverhältnisse und eisglatter Straßen war das Haus fast bis auf den letzten Platz besetzt und die Zuhörer folgten dem Autor in eine "Welt des Untergangs". Die düsteren Geschichten zur Dollartflut von 1509 fanden viel Beifall.

Von schlimmen Schurken und Schelmen

14. November 2009, Rheiderland-Zeitung

Weener/Leer. Über 1000 Rezitatoren lasen am gestrigen bundesweiten Vorlesetag in Schulen, Kindergärten und Büchereien. In Ostfriesland griffen Vorlese-Paten wie die Politiker Gitta Connemann, Johanne Modder, Garrelt Duin, Ulf Thiele sowie der RZ-Redakteur Kai-Uwe Hanken zum Buch und entführten ihre Zuhörer in Traumwelten aus Wörtern und Papier gebaut.
Der Donner grollt, der Sturm braust, die Bäume beugen sich unter den Naturgewalten, Wellen brausen gegen die weichenden Deiche. 42 Ohren und Augen erleben sagenhafte Geschichten aus dem Rheiderland. Nur eine Leselampe beleuchtet den Tisch, ein Totenkopf grinst Unheil verkündend in den Raum. Dahinter, im Klassenraum der Klasse 7a der Hauptschule Weener, grollt, donnert, schmeichelt, tönt Kai-Uwe Hanken. Er liest vor und alle hängen an seinen Lippen. Es sind überwiegend Sagen aus seinen Büchern. Das neueste heißt "Dollartgold". Dabei findet die Geschichte des heimtückischen "Sammlers", der seinen Meister bei fiesen Raubzügen in Häusern der Flutopfer in einen kleinen Jugend findet, die meiste Zustimmung. 19 von 21 Schülerinnen und Schülern geben für seine Lesung die höchstmögliche Punktzahl. Urteile der Schüler: aufregend, spannend, cool, geheimnisvoll. Eine Schülerin ahmte nach der Stunde Kai-Uwe Hanken nach: "Er rollt so mit den Augen!". Ein anderer Kommentar: "Besser als Unterricht".

Wenn im Dollart der Tod auf den Wogen sitzt

9. November 2009, Rheiderland-Zeitung
Von Michael Hoegen

Weener. "Wie lange bleibst Du?" - "Bis 11" - Das Durchhaltevermögen, das sich einige junge weibliche Zuhörer am Freitagabend in der Stadtbücherei zutrauten, war schon erstaunlich. Zusätzliche Stühle mussten ins Obergeschoss des altehrwürdigen Gebäudes geschafft werden, um die annäherend 100 Zuhörwilligen aufzunehmen. Sie wollten die Wahrheit über "Dollartgold" hören und bekamen sie von Kai-Uwe Hanken.
Unheilvolle Botschaften hatte der ganz in schwarz gewandete Bote des Untergangs im kleinen Gepäck. Wenn der Tod auf den Wogen sitzt, sollte man sich auch bei "Deutschland liest" nicht mit überflüssigen Dingen belasten. Und auch so ein Buch, aus dem der Mann im fahlen Scheine der Leselampe vortrug, taugt nüchtern betrachtet leider auch nicht als Schwimmhilfe.
Schlechtes Wetter, Regen und Sturm, daraus lässt sich trefflich ein Untergangsszenario zusammenbrauen, und so heißt es in der ersten Geschichte "Die Verlorenen von Fletum" auch: "Der Sturm und die Flut ziehen wie ein Höllenheer über das Land". Es gibt viele Schilderungen über die Cosmas- und Damianflut, die am 26. September 1509 das Land an Ems und Dollart heimsuchte. Das Ausmaß der Katastrophe verdeutlicht Hanken in seiner Geschichte am Schicksal eines Einzelnen, der ängstlich und verzweifelt auf Hilfe oder auch das nahe Ende wartet, unfähig zur Flucht und alleine mit dem Grauen der Sturmflut. "Was kann ein Haufen Erde gegen diese Gewalt schon ausrichten?", fragt sich der alte Mann, während seine beiden Söhne verzweifelt versuchen, den Deich zu retten.
"Willkommen im Jahre 1509 unseres Herrn. Ich wollte Euch nicht beunruhigen, aber das Ende ist nahe. Der Tag des Jüngsten Gerichts ist gekommen...". Spätestens bei diesen Begrüßungsworten war klar, dass der Herr des Abend keine Heizdecken anpreisen wollte. Als Mahner und Warner sei er gekommen - "Ihr sollt nicht in Unwissenheit sterben", verunsicherte er seine Zuhörerschaft, um dann ein wenig zu werben - "kauft Ablassbriefe - oder besser, kauft dieses Buch..."
Dann trug Hanken seine ganz spezielle Version der Sage "Die letzten Tage von Torum" vor. Das Babylon des hohen Nordens ist dem Untergang geweiht, die Stadt, in der Gottes Gebote nicht mehr gelten, muss vom Antlitz der Erdre getilgt werden. Die Torumer brechen ein letztes Tabu - mit einem Menschenopfer wollen sie das tobende Meer beruhigen, ein junges Mädchen soll sterben. Die Bewohner der Stadt kennen keine Gnade und stürzen es über die Stadtmauern in die Tiefe. Doch das rothaarige Mädchen mit den traurigen Augen sollte zurückkehren, als sich vor den Torumern das grauenvolle Tor des Untergangs öffnete und die Nacht ohne Morgen begann...
Die Freiheit des Literaten ist es, die diesen Kunstgriff erlaubt, wobei die Frage bleibt, ob es nicht tatsächlich Menschenopfer gegeben hat. Hieß es nicht, etwas Lebendiges müsse in den Deich, damit er dem "Blanken Hans" standhielte?
Kai-Uwe Hanken lebt nicht in der Vergangenheit, er hat auch die Gegenwart in seiner Heimatstadt mit all ihren hellen und dunklen Seiten im Blick. "Wenn ich so in die Schatulle unseres Bürgermeisters schaue - das Wasser steht Euch bis zum Hals", stellt er mit Blick auf seine Zuhörer düster fest, bevor er zur Geschichte "Der Sammler" überleitete. Ein Strandräuber, Strauchdieb und Leichenfledderer, der seinen Gewinn aus den Schrecken der Dollartflut zieht. Die Freude am Boshaften ist dem Autor anzumerken, wenn er das düstere Bild des krötengleichen Protagonisten entwirft. Der boshafte Wicht endet, bis zum Hals eingebuddelt, im Boden - und dann kommt die Flut. Krisengewinner heutzutage produzieren allenfalls Blubberblasen in ihrem Whirlpool, den sie von ihren fetten Abfindungen mit warmem Wasser gefüllt haben.
Die Titelgeschichte des aktuellen dritten Hanken-Werkes "Dollartgold" führt die Zuhörer in eine vielleicht nicht allzu ferne Zukunft, eine Forschungsexpedition auf dem Dollart sucht mit einem Tauchroboter nach den Schätzen der Vergangenheit. Was das Forschungsschiff bei der "Operation Dollartgold" zutage fördert, dürfte dem einen oder anderen Zuhörer doch etwas mit Schaudern erfüllt haben. Wo das "Dollartgold" ist, wissen wir nicht, aber der Klimawandel kommt...

Mit Worten wie Peitschenhiebe

8. November 2009, Ostfriesland Kompakt
Von Tim Gallandi

Weener. Es war fast ein bisschen schade, dass es bei Kai-Uwe Hankens Lesung gerade nicht gewitterte und in Strömen goss. Ein draußen tobendes Unwetter hätte für die gut 80 Zuhörer in der Stadtbibliothek die Illusion perfekt gemacht, der Dollartflut von 1509 beizuwohnen. Rein atmosphärisch befanden sie sich ohnehin im Sturm. Dem der Worte nämlich, mit denen der Journalist und Autor die verheerende Katastrophe vor ihrem geistigen Auge wachrief.
Er ist erst zurückgelassener Greis, dann düster grollender Prophet, schließlich diabolischer Nutznießer menschlicher Not: Gekonnt vollzieht Hanken von Erzählung zu Erzählung den Rollenwechsel, wird zum Sprachrohr derer, die dabei waren - oder dabei gewesen sein könnten.
Mit stechendem Blick und sonorer Stimme liest er aus seinem Buch "Dollartgold", in dem er die Cosmas- und Damianflut in eigenen Geschichten und weitergesponnenen Sagen thematisiert, sie aus damaliger und heutiger Sicht schildert.
Zum Einstieg, als von den "Verlorenen von Fletum" die Rede ist, spricht er mit der Stimme eines Mannes, dem im Wortsinn alles davonweht - grimmig, verzweifelt, dem Irrsinn nahe. "Heulend", "Klammergriff", "Urgewalt": Worte wie diese jagt Hanken mal wie Peitschenhiebe, mal wie Giftpfeile in den Raum. Die Sage der törichten Torumer, denen Flut und Verwüstungen wie ein Gottesurteil für Größenwahn, Lasterhaftigkeit und andere Verfehlungen erschienen sein mögen, reicherte er erzählerisch mit dem gruseligen Element eines Menschenopfers an, das aber den Untergang Torums nicht verhindern kann.
Der Ich-Erzähler in "Der Sammler" ist dann ein Plünderer, ein (O-Ton Hanken) "Aasgeier der Apokalypse", die verkörperte Niedertracht, der aber im überraschenden Finale beinahe Mitleid erweckt. Kopfkino der schaurig-schönen Art.

Wenn die Welt im "Höllenmeer" versinkt

Der düstere Dollartprophet. Foto: T. Mentrup

15. September 2009, Rheiderland-Zeitung
Von Thorin Mentrup

Ihrhove. Um Punkt 19.35 Uhr erlöschen die Lichter in der mit 90 Gästen rappelvollen Mediothek. Das laute Getöse eines Sturms erfüllt den Raum, Meer rauscht, Donner kracht. »Wild fegt der Sturm den Friesenstrand, schwarz kommen die Wetter gezogen; das Meer brüllt in die Nacht hinaus, der Tod sitzt auf den Wogen«, dröhnt es in tiefer, dramatischer Stimme, die die älteren Damen in der ersten Reihe erschrocken zusammenfahren lässt. Dann erst erscheint der düstere Dollartprophet und verkündet seine Botschaft: »Das Ende ist nah!«
Hinter der Maske des Unheilverkünders verbarg sich am Freitagabend Journalist und Autor Kai-Uwe Hanken, der im Rahmen der Bunder Woche aus seinem neuen Werk »Dollartgold« in der Bunder Mediothek las. Wie am Freitag haben den Weeneraner wohl noch nicht viele erlebt: Ganz in Schwarz gewandet schreitet er am erstaunten Publikum vorbei. Nur Kerzen und eine Leselampe erhellen seinen Tisch. Ein Totenschädel grinst das Publikum mit seinem lückenhaften Gebiss schelmisch an. Es scheint fast so, als freue er sich auf die Geschichten von Tod und und Untergang.
Hanken versetzt die Zuhörer 500 Jahre zurück: Im September 1509 zieht die Cosmas- und Damianflut über das Rheiderland und das benachbarte Oldambt und verschlingt große Landstriche. Hanken lässt die Mythen, die sich um die ungeheure Flut ranken, noch einmal aufleben. So malt er die schwindende Hoffnung der Menschen im nördlichen Rheiderland gestenreich aus und geizt auch nicht mit biblischen Bezügen.
Die Botschaft des 37-jährigen Autors ist klar: Vor dem »Höllenmeer« gibt es kein Entkommen. Es verschlingt den Ort Torum ebenso wie den niederträchtigen Pudde, den »Aasgeier der Apokalypse«, der wahrhaftig in der Mediothek zu stehen und sein Kantholz zu schwingen scheint, als Hanken mit irrem Blick und einem fiesen Lachen das niederträchtige Verhalten schildert.
Bleibt nur die Frage nach dem legendären Dollartgold offen. Doch die Antwort auf das Versteck des Schatzes bleibt der Autor schuldig. Eine Erklärung liefert er aber mit Blick auf die neue Mölenlandanlage und die Mediothek nach: »Vielleicht sitzt ja der Bürgermeister auf der Schatzkiste.«
Auch Hankens lockerere Zugabe aus der Anthologie »Unsere Ems« trifft den Geschmack des Publikums. Gerade der Ausspruch »Aber wir haben doch Feierabend« entwickelt sich zum Dauer-Gag.
Unter lang anhaltendem Applaus beendet Hanken seine Lesung und die gelungene Veranstaltungs-Premiere in der Mediothek.
Auch Vera Jauken ist mehr als zufrieden mit dem Start nach Maß: »Einen besseren Anfang hätte es nicht geben können.«
Die nächste Dollartgold- Lesung mit Kai-Uwe Hanken findet am Freitag, 6. November, in der Weeneraner Stadtbücherei statt.

Wer die Wahrheit spricht...

Foto:ai

3. Mai 2009, Homepage Amnesty International Papenburg

Papenburg.ai Die Amnesty-Gruppe Schwelm hatte im Jahr 2008 ein sehr ambitioniertes Projekt auf die Beine gestellt. Gemeinsam mit der Armin T. Wegner-Gesellschaft wurde anlässlich des 30. Todesjahres des Dichters und des 60. Jahrestages der Erklärung der Menschenrechte im Jahr 2008 einen Literaturwettbewerb „Menschenrechte“ ausgeschrieben. Die Teilnehmerzahlen übertrafen bei weitem die Erwartungen und so lagen den Initiatoren am Ende 500 Einsendungen aus 12 Ländern und 3 Kontinenten vor. Die 30 besten Kurzgeschichten, die zum Thema Menschenrechte eingereicht worden waren, wurden für ein Buch von einer Jury unter der Schirmherrschaft von Günter Wallraff ausgewählt und anschließend veröffentlicht.
Angeregt von Susanne Brandt und in Zusammenarbeit mit der Amnesty International Gruppe Papenburg sowie dem DIZ wurde Anfang 2009 darüber nachgedacht eine Lesung am Internationalen Tag der Pressefreiheit, am 03. Mai 2009, zu veranstalten. Anna-Lena Többen, die ihr freiwilliges Soziales Jahr im DIZ ableistete, hatte die gesamte Planung und Organisation für die Veranstaltung übernommen.
Auf Anfrage hatten Helen Wessels (Mitarbeiterin in der Migrationsberatung beim DRK des Kreisverbandes Aschendorf-Hümmling), Kai Engelke (Schriftsteller, Kulturjournalist, Liedsänger und Grundschullehrer aus Surwold), Kai-Uwe Hanken (Autor und Redakteur bei der Rheiderland-Zeitung in Weener) und Jan-Peter Bechtluft (Bürgermeister der Stadt Papenburg) sofort ihr Mitwirken an der Lesung zugesagt.
Die Veranstaltung wurde durch die Musik von „Ennulat & Spatz“ musikalische umrahmt und inhaltlich mit getragen.
In der Eingangsbegrüßung durch Gerold Siemer (Amnesty Gruppe Papenburg) wurde auf die über 800 getöteten Journalisten und Schriftsteller, die seit der 3. Mai durch die UNO zum Internationalen Tag der Pressefreiheit proklamiert wurde, verwiesen. In der Tradition des Dichters Armin T. Wegner und seines Einsatzes für die Menschenrechte wurde am 03. Mai auch der verfolgten Schriftsteller und Journalisten gedacht.
Bevor die erste Kurz-Geschichte aus dem Lesebuch vorgetragen wurde, ging Susanne Brandt nochmals auf den Schriftsteller Armin T. Wegener und dessen Werke ein.
Der Internationale Tag der Pressefreiheit wurde ganz bewusst ausgewählt, um an den couragierten Schriftsteller, der sich sein ganzes Leben lang für die Verteidigung der Menschenrechte eingesetzt hat, zu erinnern. Zu Wegners beispielhaften Taten gehört sein Protestbrief an Hitler – nach der Machtübernahme der Nazis 1933 - , in dem er forderte, die Diskriminierung und Gewalt gegen Juden zu beenden. In diesem Brief heißt es, er schreibe als ein Deutscher, »dem die Gabe der Rede nicht geschenkt wurde, um sich durch Schweigen zum Mitschuldigen zu machen, wenn sein Herz sich vor Entrüstung zusammenzieht.«

Nachfolgend die Reihenfolge der Leser mit den von ihnen gewählte Geschichten sowie die Musiker:
- Jan-Peter Bechtluft las: "Letzte Worte" von Ruth Löbner
- Musik "Ennulat & Spatz"
- Kai-Uwe Hanken las: "Haitis Hunger" von Elke Becker und "Sich festhalten irgendwie" von Claus Probst
- Musik "Ennulat & Spatz"

In der Pause gab es Gelegenheit zur Unterstützung einer Petition von Amnesty International, um auf die Freilassung der Journalistin Roxana Saberi hinzuwirken.Helen Wessels

- Helen Wessels las: "Der Geburtstag" von Frank Borsch
- Musik "Ennulat & Spatz"
- Kai Engelke las: "Aische" von Uschi Zietsch

Als Abschluss wurde das Lied mit dem Titel: "Das Rosenlied"
von Kai Engelke, Willi Ennulat und Didi Spatz acapella vorgetragen

Mehr als 30 Besucher fanden den Weg an diesem Sonntag ins DIZ und wurden von den oben genannten Geschichten insofern überrascht, dass in den Beiträgen viele neue Aspekte, die die Menschenrechte auf unsere Zeit hin aktualisieren oder aber von einer anderen Sichtweise betrachten, vorgetragen wurden.
Dass die Aktionen für verfolgte und inhaftierte Menschen Wirkung zeigen, wurde durch Amnesty International bereits in der Eingangsrede erwähnt. Die an diesem Nachmittag für die Freilassung von Roxana Saberi ausliegende Petition und der weltweite Protest gegen ihre Inhaftierung bewirkte bereits Mitte Mai einen Erfolgt: Frau Saberi wurde freigelassen. Allen Unterzeichnern gilt hier der Dank für ihr Engagement.

Willi Ennulat; Helen Wessels; Didi Spatz; Kai Engelke; Kai-Uwe Hanken; Jan-Peter Bechtluft
Foto: Amnesty International Papenburg

Gruseliges kam in Ihrhove gut an

Foto: P. Rosenboom

24. Januar 2009, General-Anzeiger

Ihrhove./RO "Ich fürchte, ich werde dem Namen Ihres Hauses heute Abend nicht Rechnung tragen können", warnte Kai-Uwe Hanken vor seiner Lesung im übervollen Haus "Wo(h)ltat" in Ihrhove. Der Weeneraner Autor gastierte dort am Donnerstag im Rahmen der Reihe "Tee und Talk", die regelmäßig von der Bücherei in Kooperation mit der Gleichstellung veranstaltet wird. Dichtgedrängt und mucksmäuschenstill saßen die gruselbegeisterten Zuhörer im Saal des Hauses und lauschten den düsteren Erzählungen Hankens.
Dieser hatte eine Auswahl von klassischen Schauergeschichten, aber auch eigene Erzählungen mitgebracht, die er stimmgewaltig vortrug und damit das Publikum in den Bann zog. Den Auftakt bildete Hankens bislang unveröffentlichte Kurzgeschichte "Der Foliant", in der ein ehemaliger Büchereileiter an den Schauplatz eines grausigen Verbrechens zurückkehrt. Vom Wahnsinn gezeichnet ist die Hauptfigur in der Geschichte "Das verräterische Herz" von Edgar Allan Poe, der vor wenigen Tagen seinen 200. Geburtstag hatte.
Nach einer Teepause setzte Hanken seine Reise durch die Schattenwelt fort: die Erzählung "Kühle Luft" von H.P. Lovecraft steigerte sich langsam zu einem Crescendo des Grauens und "endete unsäglich", wie es auch in der Geschichte heißt. Den Abschied eines, so Hanken, "besinnlichen Abends" bildete "Der irre Abt", die Titelgeschichte einer gleichnamigen Sammlung. Die letzten Minuten im Leben eines Klostervorstehers wurden dabei fast schon wie in der Art eines kleinen Kammerspiels vorgetragen - düster, bedrückend und sehr intensiv.
Am Ende des Abends gab es für den stimmgewaltigen Autoren, der Mimik und Gestik gekonnt eingesetzt hat, lang anhaltenden Applaus.

Stühle in Bibliothek reichten nicht

28. Oktober 2008, Ostfriesen-Zeitung
Von Jürgen Eden und Stephan Schmidt

Weener. Schummriges Licht schuf am Freitagabend in der Stadtbücherei Weener die richtige Atmosphäre: Der Autor und Journalist Kai-Uwe Hanken aus Weener las in seinem "Schattenseiten" benannten Programm aus gruseligen und makabren Geschichten vor. Zu den Storys von Großmeistern des Grauens wie Howard Phillips Lovecraft, Ambrose Bierce und Edgar Allan Poe gesellten sich Werke aus der Feder des Weeneraners.
Mehr als 60 Zuhörer versammelten sich im Dachgeschoss der Bücherei. Dabei wurde es richtig eng. Zusätzliche Stühle mussten besorgt werden. Die Veranstaltung fand im Rahmen der bundesweiten Reihe "Deutschland liest" statt.
Zum Abschluss des Abends präsentierte Kai-Uwe Hanken dann noch ein neues selbst geschriebenes Werk: Die Kurzgeschichte "Der irre Abt" erfüllte alle Erwartungen. Am Ende gab es für die Darbietung des Autors und Vorlesers lang anhaltenden Applaus.

Und aus dem Papier steigt das Grauen auf

Foto: M. Hoegen

27. Oktober 2008, Rheiderland-Zeitung
Von Michael Hoegen

Weener. »Ich hoffe, es muss keiner alleine laufen.« Susanne Fockens wünschte am Freitagabend nach den »Schattenseiten« all´ ihren Gästen einen guten Heimweg in die schwarze Nacht hinaus, und die Leiterin der Stadtbücherei tat das verständlicherweise mit einem breiten Lächeln. Denn mit annähernd 70 Gästen waren ihre Erwartungen an die Resonanz dieses literarischen Abends weit übertroffen worden.
»30 kommen immer«, so die Faustformel der langjährigen Büchereileierin, »50 Stühle haben wir, aber die reichen heute nicht«. Es wurde eng im Obergeschoß der Bücherei am Vogelsang, die Luft war dann doch etwas stickig, und dann wurde auch noch das Licht gelöscht, nur einige Kerzen erhellten die Szenerie. Alles war bereit für den Auftakt der Aktion »Deutschland liest« in Weener, der den dunklen Seiten der Literatur gewidmet sein sollte.
Und diesen Abend gestaltete mit dem Journalisten und Autoren Kai-Uwe Hanken ein literarisch beschlagener Weeneraner, der dem Wahnsinn vielleicht nicht nur schon auf den Seiten vieler Bücher ins Antlitz geschaut hat.
»Heute fangen wir mit etwas Spannendem an«, versprach Susanne Fockens, bevor sie im Dunkel des Raumes verschwand. »Ich habe mir etwas Warmes angezogen, wenn ich fröstle,« unkte noch eine Zuhörerin in der ersten Reihe. Sie hatte eine mehr als kluge Entscheidung getroffen, denn Kai-Uwe Hanken vergeudete keine Zeit mit warmen Begrüßungworten, sondern nahm seine Zuhörer kaltlächelnd mit an den Schauplatz schaudernder Ergeignisse - in eine Bücherei. In seiner eigens für diesen Abend verfassten Erzählung »Der Foliant« tun sich Abgründe in einem feinsinnig gebildeten Menschen und Büchereileiter auf, die hier lieber nicht beschrieben werden sollen. Denn wenn die Kante des Papiers scharf wie eine Klinge in das menschliche Fleisch schneidet und aus den Untiefen einer gequälten Seele düstere Gedanken hinauf klettern, ist ein blutiges Finale wohl kaum zu vermeiden.
»Worte können schärfer sein als ein Schwert«, lässt Hanken den Büchereileiter zu Wort kommen, und er geht in seiner Rolle auf, erzählt eine düstere, blutige Geschichte, mit stimmlichen Mitteln und Gesten versteht er dabei, seine Zuhörer direkt mitzunehmen - auf eine Achterbahnfahrt fast direkt in die Hölle...
Hanken hat mächtige Verbündete, das Grauen wartet nur auf den Seiten der Bücher, die er auf dem kleinen Tisch zurecht gelegt hat. Edgar Allan Poe mit »Das verräterische Herz«, »Eine unzulängliche Feuersbrunst« von Ambrose Bierce und Howard P. Lovecraft, einen Altmeisters des Horros, mit »Kühle Luft«. Erzählungen aus der Ich-Perspektive, die das Tremolo des Wahnsinns in sich tragen. Gut, dass den Zuhörern eine Pause und eine Tasse Tee dazu gegönnt wurde.
Zum düsteren Finale las Kai-Uwe Hanken dann seine eigene Kurzgeschichte »Der irre Abt« aus der gleichnamigen Anthologie. Bis der wahnsinnige Priester im Kloster Ihlow sein Ende findet, wird ein Spannungsbogen erzeugt, der die Zuhörer nicht mehr unberührt lassen kann. Das Finale bietet dann ein Grauen, das nur deshalb so nachhaltig ist, weil es vor allem im Kopf entsteht. Worte werden zu Bildern, und über alles fällt der dunkle Schatten des Wahnsinns.
Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass langer Beifall der Zuhörer die mehr als solide Leistung des Akteurs am Tisch belohnte. Ein Abend, der eigentlich nach einer Wiederholung verlangt.

Irrer Abt löst bei Zuhörern Gänsehaut aus

26. Januar 2008, Abendkurier
Von Irmgard Gravemann

Leer - Da staunte selbst Antje Hamer-Hümmling nicht schlecht, als es in der Stadtbibliothek in Leer am vergangenen Dienstag tosenden Applaus bei der Lesung zum Werk der 14 Hobbyschriftsteller eines Volkshochschulkurses gab. Unter der Leitung von Insa Segebade hatte jeder Teilnehmer eine Geschichte zum Kloster in Ihlow geschrieben. Das Buch war im November letzten Jahres im Gipfel-Buch-Verlag erschienen.
Dicht gedrängt saßen die Zuhörer und ließen sich vom Vortrag Kai-Uwe Hankens in den Bann ziehen, als dieser aus seiner Geschichte "Der irre Abt" las, die dem Buch auch den schaurigen Titel verliehen hat.
Fast gewann man den Eindruck, Hanken selbst habe der Wahn seines Protagonisten erteilt, als er mit sonorer Stimme und irrem Blick seine Geschichte um einen bestialischen Mord so packend vortrug, dass einem der Schauer über den Rücken lief.
Die Gruppe des kreativen Schreibkurses arbeitet bereits an ihrem nächsten Buch, in dem Spukgeschichten veröffentlicht werden sollen. Am 29. Februar findet hierzu eine Lesung in der Haneburg in Leer statt.

Geheimnisvolle Reise

März 2007, "Gemeindebrief" der ev.-ref. Gemeinde Möhlenwarf

Spannend ging es zu beim Alten- und Gemeindenachmittag am 17. Februar in unserem Gemeindehaus. In den Erzählungen des Redakteurs der Rheiderland-Zeitung, Kai-Uwe Hanken, brach Kuper Jan aus Holthuserheide zu seinen Raubzügen auf und der Düvelsbanner verrichtete bei Stirler in Beschotenweg sein unheimliches Werk. Aber nicht nur den Geschichten aus dem Buch des 35-jährigen Autors lauschten die Zuhörer, sondern auch seinen Erläuterungen, mit denen Hanken die Erzählungen auf ihren historischen und sozialen Hintergrund beleuchtete.
Wir leben auf einer "sagenhaften" Fläche im Rheiderland. Rund 25 bis 30 Sagen gibt es auf diesem Landstreifen zwischen der Ems und der holländischen Grenze. Die Verfasser der Sagen sind in der Regel nicht bekannt. Sie weisen auf eine hohe Erzählkunst der Bevölkerung hin, wurden sie doch weitestgehend mündlich überliefert. Im Gegensatz zu den Märchen haben sie meistens einen gewissen Wahrheitskern. Hanken: "Sagen mögen zwar Wahrheiten enthalten, aber ganz so, wie sie heute erzählt werden, ist es nie gewesen. Bei der mündlichen Überlieferung ist viel dazugedichtet worden",
Drei bis vier der Rheiderländer Sagen spielen in dem kleinen Ort Marienchor. So auch die Erzählung "Der Traum", die erst vor einigen Jahrzehnten von dem Weeneraner Heimatforscher Anton Koolmann aufgeschrieben wurde. Im Kern: Ein armer Arbeiter hat einen Traum, dem er nachgeht. Unter seinem Birnenbaum findet er einen Schatz und wird dadurch ein reicher Mann. Bei der Geschichte, die wohl in die Zeit um 1600 zu datieren ist, spielen der Pastor und ein Emder Ratsherr eine entscheidende Rolle. Sozialkritisch betrachtet hält Hanken diesen Personenkreis in der damaligen Zeit nicht gerade für prädestiniert, um einem Arbeiter zu sehr viel irdischem Reichtum zu verhelfen.
Auch die Sage um die angeblich so reiche Stadt Torum, die im Dollart versank und wo acht Gold- und Silberschmiede wertvolle Schmuckstücke hergestellt haben sollen, hält einer genaueren geschichtlichen Betrachtung über den enormen Reichtum nicht stand. Eigentlich war Torum nach Hankens Recherchen ein unbedeutender Ort. Es gibt noch ein Pfarrregister, in dem die Zahlungen der einzelnen Kirchengemeinden festgehalten worden sind. Dort rangierte Torum unter "ferner liefen", die Einwohner zahlten weniger Abgaben als die Bewohner von Marienchor.
Dennoch ist die Geschichte von Menschen, die Gottes Gebote nicht halten, in Saus und Braus ein sündhaftes Leben führen und dann in den Fluten der Nordsee umkommen, eine typische Sagengeschichte. Ähnlich ist die Sage von "Weene" auf den Meentelanden oder "Atlantis", der im Atlantischen Ozean untergegangenen Insel und die der untergegangenen Insel "Vineta" in der Ostsee. Aber gerade bei einer kritischen Betrachtungsweise sind die Rheiderländer Sagen noch lesenswerter. Sie haben bis heute nichts an Faszination eingebüßt.
Kai-Uwe Hanken gilt der Dank nicht nur für diesen informativen und unterhaltsamen Nachmittag, sondern auch dafür, dass er die Sagen in einem Buch zusammengestellt und damit uns zugänglich gemacht hat. Zumal es die Lesebücher, in denen sie noch vor 50 Jahren abgedruckt wurden, heute nicht mehr gibt. (...)
Hans-Wilhelm Pruin

Literatur soll Kasse füllen

27. Oktober 2005, "Rheiderland-Zeitung"

hs Leer. Unter dem Titel "Wer hat hier das Sagen" ist jetzt eine Anthologie mit Tiergeschichten, herausgegeben von Insa Segebade, erschienen.
Die Autorin und Journalistin wohnt in Holtgaste und ist ehrenamtlich im Tierschutzverein Rheiderland tätig, der auch das Tierheim in Stapelmoor unterhält.
Leider herrscht in den Kassen des Vereins gähnende Leer, so dass neben den üblichen Spendenaufrufen nun das Werk mit 21 verschiedenen Geschichten von verschiedenen Autoren einen Teil zum guten Zweck beitragen soll.
Da es bei den Geschichten über Menschen und Tiere bisweilen recht drastisch zur Sache geht, handelt es sich um kein putziges Kinderbuch, sondern um eine Sammlung kurzer Prosatexte, in denen das Miteinander beziehungsweise das Gegeneinander von Mensch und Tier aus verschiedenen Positionen beleuchtet wird.
Neben der Herausgeberin haben auch die beiden Leeranerinnen Claudia Bleeker und Iris Holzapfel, die dem Tierschutzverein vorstehen, Geschichten beigesteuert. Es finden sich mit Gabriele Boschbach, Michael Mittmann und RZ-Redakteur Kai-Uwe Hanken auch Vertreter der regionalen Presse im Kreis der Autoren.
Ein Euro für jedes verkaufte Exemplar kommt dem Tierschutzverein Rheiderland zugute. (...) Elf der mitwirkenden Autoren werden im November auch in Lesungen zu hören sein.

Ortschronik Wymeer-Boen

15. September 2005, "Rheiderland-Zeitung"

Er kann nicht nur richtig gut schreiben, sondern auch noch ganz toll erzählen: RZ-Redakteur und Buchautor Kai-Uwe Hanken aus Weener zog am Montagabend im Wymeerster Gemeindehaus die zahlreichen Zuhörer in seinen Bann. "Menschen zwischen Moor und Meer" heißt die Ortschronik, die er zusammen mit dem Arbeitskreis in jahrelanger Arbeit zusammengetragen hat. Humorvoll erzählte Hanken von der Geschichte, dem Geschäftsleben und von einigen Originalen aus Wymeer und Boen. Ein kleiner Vorgeschmack, der jetzt schon Appetit auf mehr macht. Doch noch müssen sich die Interessierten ein klein wenig gedulden, das Buch wird wohl erst Ende Oktober auf den Markt kommen. Eines ist aber sicher, für viele Wymeerster und Boenster wird es ein ideales Weihnachtsgeschenk sein.

Text/Foto: Jan Bruins

Reise durch die Sagenwelt

30. Juli 2003, "Rheiderland-Zeitung

Tierische Geschichten und Märchen

24. Dezember 2002, "Ostfriesen-Zeitung"
Von Gabriele Boschbach

Weener. (....) Octavia Bender hatte sich gemeinsam mit dem Rheiderländer Journalisten und Autoren Kai-Uwe Hanken bereit erklärt, an einer Benefizveranstaltung des Tierschutzvereins "Rheiderland" teilzunehmen. (...) Im zweiten Teil der Veranstaltung las Kai-Uwe Hanken aus zweien seiner Bücher, in denen er Sagen und Märchen der Ems-Dollart-Region zusammengetragen hat. Die expressive Vortragskunst des Journalisten ließ das schaurige Ambiente vieler Geschichten lebendig werden. Die morbide Stimmung im Stirlerschen Hof etwa, wo ein Bauer mit Hilfe eines Düvelsbanners einen bösen Fluch abwehrt, unter dessen Bann der Hausherr fast seinen ganzen Tierbestand auf mysteriöse Weise eingebüßt hatte. Grauen erweckte auch jene Sage, wonach ein Graf in Halte viele Jahre mörderische Bande unterhielt mit einem Fährmann, der Reisende getötet und dann ausgeplündert hat. Den entscheidenden Fingerzeig zur Aufklärung des Komplotts lieferte eine blaue Flamme, die der adlige Verbrecher am Fenster seiner Burg aufgestellt hatte.
Kai-Uwe Hanken ließ den stimmungsvollen und unterhaltsamen Nachmittag mit der versöhnlichen Geschichte von der "Goldfrau von Torum" ausklingen. (...).

Autoren im "Hörnstohl" lesen vor

23. Dezember 2002, "Rheiderland-Zeitung"

hk Weener. "Es sind erstaunlich viele Leute hier, damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet, und schon gar nicht bei diesem miesen Wetter".
Freude und Verwunderung äußerte Insa Segebade vom Tierschutzverein Rheiderland gestern im Organeum in Weener. Die Sprecherin und ihre Kolleginnen vom Vorstand waren so begeistert von der Resonanz, die die erste Benefizveranstaltung dieser Art mit zwei Autoren zugunsten des Tierschutzvereins hervorgerufen hatte.
Die Wahl-Ostfriesin Octavia Bender aus Detern und der Rheiderländer Autor und Redakteur Kai-Uwe Hanken lasen aus ihren eigenen Werken. Octavia Bender, die von 1980 bis 1986 in Irland lebte, eröffnete den Vorlese-Reigen mit einigen literarischen Bildern aus ihrem zweiten Roman "Stürmischer Herbst auf Thunder-Rock". Beneidenswert würde einigen Heimtieren bestimmt das Leben des irischen Setters "Bishop" vorkommen, über dessen bequemes Hundeleben die gebürtige Bonnerin am Sonntagnachmittag aus ihrem komfortablen "Hörnstuhl" in ihrem zweiten Vorlesestück erzählte. Insgesamt bot sie den mehr als 40 Gästen beschauliche und lustige Geschichten.
Schauriges und Spannendes dagegen servierte Kai-Uwe Hanken, ebenfalls aus einem "Hörnstohl". Während draußen die Regentropfen an die dunklen Gartenfenster der ehemaligen Stadtvilla pochten, entführte der Weeneraner die Zuhörer, zuvor allerdings gestärkt mit Kaffee, Tee und Kuchen, in die gruselige und dennoch nur allzu menschliche Welt der Rheiderländer Legenden, Sagen und Mythen. Vier "wahre Geschichten" aus seinem ersten Buch "Sagenhaftes Rheiderland" und dem erst vor wenigen Wochen erschienenen Werk "Das verlorene Land" stellte er in den Mittelpunkt seiner lebhaften Vorstellung.
Entspannung und eine wohltemperierte Atmopshäre schuf zwischen den Vorlesungen die amerikanische Organistin Erica Johnson an der Kabinettorgel und am Cembalo.

Sagen aus dem Rheiderland

14. Dezember 2002, "Jeversches Wochenblatt"

Verfluchte Orte, versunkene Stätten und rätselhafte Ereignisse: Der Verlag H. Risius lädt zu einer spannenden Reise durch das Rheiderland ein. In dem Buch "Das verlorene Land" lernt der Leser diesen Landstrich von einer ganz anderen Seite kennen - der Schattenseite. Elf Märchen, Legenden und Sagen aus der Region zwischen Ems und Dollart finden sich in dem Band, der ab sofort im Buchhandel erhältlich ist.

Verfluchte Orte, versunkene Stätten und Rätsel

22. Oktober 2002, "Emder Zeitung"

Im Verlag H. Risius, Weener, ist das Buch "Das verlorene Land" erschienen. Elf Märchen, Legenden und Sagen aus der Region zwischen Ems und Dollart finden sich in dem Band. Fünf Jahre nach der Veröffentlichung von "Sagenhaftes Rheiderland" entführt Autor und "Rheiderland"-Redakteur Kai-Uwe Hanken erneut in eine wundersame Welt voller verfluchter Orte, versunkener Stätten und rätselhafter Ereignisse - kurz, in eine Welt voller dunkler Geheimnisse.
Auf dieser Reise begegnet der Leser unheimlichen Erscheinungen, wie den Walridersken und der Hexe Dorathee, die zur Geisterstunde auf den Weeneraner Friedhof einlädt. Außerdem erfährt er vom Schicksal des Ditzumer Torntje-Bauers und vom Fluch der Dieler Schanzen. Die gruseligen Schwänke des "Kattenhinnerk" lockern diese Reise auf.
Im zweiten Teil des Buches führt der Weg in das verlorene Land. Die untergegangenen Siedlungen im Dollart und das Geheimnis des "Kinderbrunnens" sind Stationen dieser Leser-Reise, die teilweise auf einen wahren Kern beruht.

Sprookjesboek over Reiderland

Oktober 2002, "Nieuwsblad van het Noorden" (NL)
Von Pieter Broesder

Weener - Legenden, sagen en mythen over Reiderland staan opgenomen in een nieuw sprookjesboek van Kai-Uwe Hanken (31) uit Weener. Hij is verslaggever voor de net over de grens verschijnende Rheiderland-Zeitung en verzamelde elf sprookjes en andere verhalen over het oude land van Eems en Dollard.
De geschiedenissen in het boek "Das verlorene Land" spelen zich niet alleen af in het Duitse Rheiderland. Ok de verhalen uit ons gebied komen aan bod.
Hanken belooft de lezers een blik in der roerige geschiedenis van Reiderland. Veel van de verhalen ontdekte hij na enig speurwerk in diverse bibliotheken in oude boeken. Het is niet de eerste keer dat Hanken met een dergelijk boekje komt. Vijf jaar geleden publiceerde hij het werk "Sagenhaftes Rheiderland".
Hanken: "Toen dacht ik dat ik alles wel gehoord had. Dat de archieven en bibliotheken geen "nieuwe" ouden dingen meer zouden bevatten. Maar al snel bleek dat er toch meer verhalen zijn, verhalen di al van generatie op generatie worden doorverteld".
Vooral de vertellingen over het verzonken land spreken nog altijd tot de verbeelding. Want waar nu de Dollard ligt, stonden heel vroeger zeker 50 dorpjes en gehuchten als Houwingaham en Reiderwolde. Ook telde het gebied twee kloosters en was er een rijke stad te vinden: Torum waar verschillende goud- en zilversmeden werkten.
In de middeleeuwen kwam aan al die bedrijvvigheid een eind. Na hervige stormvloeden verdween een groot stuk van Reiderland onder water. Wat overbleef werd verdeeld onder het Oldambt en Westerwolde.
Wat ook bleef waren de legenden, over de ziener Jarfke, de Goldvrouw van de Dollard en Kattenhinnerk, verhalen die Hanken zocht en bewerkte. "Ongelofelik eigenlijk wat er nu nog allemal wordt verteld en te vinden ist". Zijn werk zit er dan ook nog niet op. Hij werkt al aan een derde deel.

Rheiderland reich an Sagen

16. Dezember 1997, "Ostfriesen-Zeitung"

Das Rheiderland ist zwar klein, hat aber dennoch eine Vielzahl von Sagen und sagenhaften Geschichten hervorgebracht. Sie hat Kai-Uwe Hanken aus Weener gesammelt, neu aufgeschrieben und als Buch herausgebracht. Dort sind die Geschichten vom Fräulein im Bunder Steinhaus, vom Schatz in Marienchor und von den Raubzügen vom Kuper Jan nachzulesen. Zu jeder Geschichte hat Hanken Erläuterungen der historischen und literarischen Zusammenhänge gestellt, um den Kern herauszuarbeiten. Darin zeigt sich, dass viele Sagen gar nicht einmal so alt sind, wie viele vermuten. Zu den Geschichten hat Timo Schmidt passende Illustrationen beigesteuert.

Große Resonanz bei Krimilounge in Lütetsburg

Im schönsten Ambiente das Gruseln genießen - Besonders Kai Kurgan begeisterte mit seiner Stimmgewalt
13.Oktober 2014, Ostfriesischer Kurier

Norden.
(...) Ein perfektes Ambiente bot die Kulturscheune in Lütetsburg an diesem Wochenende für zwei literarische Abende. Entsprechend gut war die Resonanz: Die Krimilounge am Sonnabend war ausverkauft. So durften Lübbert Haneborger und Silke Arends gemeinsam mit ihrem Vorbereitungsteam hochzufrieden sein mit der Premiere der "Lit. Lütetsburg". (...)
Voll auf ihre Kosten kamen die rund 100 Besucher auf jeden Fall am zweiten Abend des kleinen Festivals (...) Keine Frage - der Star des zweiten Abends war Kai Kurgan. Seine Texte sind so gewaltig wie seine Stimme. Hatte Haneborger ihn nicht als "Stimme des Rheiderlandes" angekündigt? Gut, jetzt weiß jeder, wie es dort klingt: tief, dunkel, aber gern auch laut und durchdringend, mal wam, oft furchteinflößend - so sind zumindest die Geschichten Kurgans. Gut, auch durchaus zum Schmunzeln, wenn man als Zuhörer zum Beispiel von dem Rheiderländer erfährt, der zweimal im Jahr nach Ditzumerverlaat zurückkehrt. Einmal zu Weihnachten mit Ehefrau Karin, einmal zu Ostern, weil er ja auch mal Spaß haben will... Spaß der besonderen Art beim traditionellen Nötenscheeten. Wer in Lütetsburg dabei war, weiß, dass es beim letzten Besuch in Ditzumerverlaat ein bisschen eklig wird mit Armen in Häckslern und feuerroten Fleischfurchen... Nicht minder (schön) eklig ist Kurgan in seinem zweiten Text, als er vom nicht enden wollenden Sturm am Deich vorliest. Da meint man glatt, das Wässer käme sogleich mit voller Wucht in die Kulturscheune und der Sturm reiße das Dach ab. Wieso flackern die Kerzen unbeeindruckt von so viel Stimmgewalt neben Kurgan einfach weiter? Schade, dass man mit den Geschichten und Büchern nicht die Stimme dieses Mannes mitkaufen kann...

I. Hartmann



Schaudern und Schrecken im Fehntjer Forum

General-Anzeiger 15. November 2014

Rhauderfehn.
Stimmgewaltig und mit eindrucksvollen Gesten gestaltete Kai Kurgan alias Kai-Uwe Hanken am Donnerstagsabend eine Erlebnis-Lesung im Fehntjer Forum in Rhauderfehn. Auf Einladung der Buchhandlung Fehnbuch verbreitete er fast drei Stunden lang Schaudern und Schrecken unter den Zuschauern. Der Rheiderländer präsentierte eigene, schwarze Geschichten - passend zum Motto "Schattenseiten". Musiker und Produzent Harry de Winter sorgte mit Musik- und Soundeinlagen für passende Effekte, Das Publikum erschauderte - und war begeistert.

N. Thorweger



Kai Kurgan verbreitet Angst und Schrecken

Lesung: "Schattenseiten" ein voller Erfolg
Sonntagsreport 16. November 2014

Rhauderfehn.
Plötzlich verstummt das Gemurmel der Gäste im Fehntjer Forum. Das Licht erlischt und ein heftiger Sturm zieht auf. Eine schauderhafte Atmosphäre hält Einzug in das Gebäude am Untenende 4 - ebenso wie Autor Kai Kurgan, der die Anwesenden mit Wortgewalt und kraftvoller Stimme in Angst und Schrecken versetzt.
Unter dem Motto "Schattenseiten" berichtete der Rheiderländer am Donnerstagabend unter anderem vom Untergang des Ortes Torum, einer geheimnisvollen Flaschenpost, den grausamen Folgen einer heftigen Sturmflut und von zwei Matrosen, die sich ihren wohlverdienten Feierabend auf der Ems durch nichts und niemanden vermiesen lassen.
Für die Licht- und Soundeffekte sorgte Harry de Winter, Musiker und Produzent aus Wymeer.

A. Jansen



Vom Kloster Ihlow direkt ins RTL-Dschungelcamp

Kai Kurgan beschert dem Publikum im Auricher Landschaftsforum zum Abschluss seiner diesjährigen Herbsttournee eine ebenso spannende wie unterhaltsame Erlebnis-Lesung
Ostfriesischer Kurier 24. November 2014

Aurich.
„Fesselnd!“ Müsste man sein Programm mit nur einem Wort beschreiben, dann wohl am besten so. Am vergangenen Freitag stellte Kai-Uwe Hanken in seiner Rolle als Kai Kurgan das wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis. Zum Abschluss seiner diesjährigen Herbsttournee zelebrierte der finstere Geselle aus dem Rheiderland im Auricher Landschaftsforum eine gleichermaßen spannend wie kurzweilig inszenierte Erlebnis-Lesung mit morbiden, blutigen und schwarzhumorigen Geschichten.

Zur Einstimmung erklang zunächst minutenlang sphärische Musik. Anschließend hörte man wildes Sturmgebrause und eine Radiodurchsage mit einer Unwetterwarnung an alle Anwesenden. Verantwortlich dafür zeichnete sich Tonmeister Harry de Winter, der an seinem Mischpult hier wie auch den Rest des Abends verschiedene Sound-Effekte aus dem Hintergrund lieferte und zudem per dezenter Steuerung der Scheinwerfer den Protagonisten stets in den richtigen Blickwinkel rückte. Einfach bloß vom Blatt ab- und vorzulesen, reicht Kai Kurgan nämlich nicht. Parallel zur akustischen Untermalung hatte er auf der Bühne ein Podest mit allerlei Requisiten inklusive eines Totenschädels drapiert. Der Vortragende selbst erschien stilecht gekleidet in einer mittelalterlichen Kutte. Schnell war klar: Dieser Mann wollte sein Publikum möglichst hautnah in seine „Reise durch das schwarze Ostfriesland“ einbinden. Spätestens seine ebenso eindringliche wie bedrohliche tiefe Bassstimme dürfte dann auch tatsächlich selbst die letzten Zuschauer im hintersten Winkel des Landschaftsforums in ihren Bann gezogen haben.

Die meisten der Geschichten, die am Freitag zu hören waren, spielten vordergründig irgendwann in Vergangenheit; und zwar vorzugsweise im Mittelalter. So berichtete Kurgan von der Stadt Torum, die laut überlieferten Erzählungen einem Atlantis im Dollart geglichen haben und mit immensen Reichtümern gesegnet gewesen sein soll. Weil die Gier der Bewohner ständig wuchs und sie den Hals nie voll genug bekommen konnten, schickte Gott irgendwann als Strafe die Flut und ließ die Stadt untergehen. Mahnende Prophezeiungen, die die Menschen zur Umkehr und Besinnung hätten bringen sollen, hatte es danach zuvor bereits zuhauf gegeben. Eine andere Geschichte handelte von einer Flaschenpost, in der der verzweifelte Absender eine seltsame „rote Plage“ beschrieb. Manch einer im Zuschauerraum des Landschaftsforums dürfte dabei im Geiste an die Ebola-Epidemie in Afrika gedacht haben. Ohnehin bleibt festzuhalten, dass Kai Kurgans „schwarze Reise“ überraschend viele aktuelle Querbezüge offenbarte. Der existenzielle Widerstreit zwischen Rache und Gerechtigkeit oder wozu Menschen im religiösen Wahn fähig sind, mit solchen und ähnlichen moralischen Fragen und Herausforderungen sehen sich Menschen auf der ganzen Welt bis auf den heutigen Tag ständig konfrontiert. Abgesehen davon fand Kurgan in seinen Zwischenmoderationen des Öfteren interessante Parallelen, indem er beispielsweise die Situation im ehemaligen Kloster in Ihlow mit dem RTL-Dschungelcamp verglich oder beim Reichtum der Stadt Torum auf die „Schatulle Eures Bürgermeisters“ in Aurich hinwies.

Mit solchen, nicht selten stark selbstironisch gefärbten Anmerkungen verstand es der Vortragende geschickt, trotz des blutigen bis morbiden Charakters, der seinen Erzählungen anhaftete, den Spaß nicht zu kurz kommen zu lassen. Noch einmal schön auf den Punkt brachte Kai Kurgan dies in seiner Zugaben-Geschichte „Feierabend“. Sie begann recht lustig, nahm jedoch am Schluss für zwei der Beteiligten ein buchstäblich böses Ende. Das Auricher Publikum reagierte mit Humor und großem Applaus. Unter dem Strich blieb für die Zuhörerinnen und Zuhörer die wohltuende Erkenntnis, dass sie, anders als die bemitleidenswerten Kreaturen in Kai Kurgans Geschichten, an diesem Novemberfreitag aus ihrer Sicht zum Glück einen guten Abend mit einem guten Ende für sich erlebt hatten.

W. Jürgens





Zum Auftakt Lesung in gruseliger Stimmung

Möhlnvereen Neermoor füllt den Kulturkalender
Ostfriesen-Zeitung, 2. Mai 2015

Neermoor.
Mit überraschend großem Erfolg ist der Börger- un Möhlnvereen Moormerland in die neue Veranstaltungssaison gegangen: Zu einer Lesung in gruseliger Stimmung mit Kai Kurgan, musikalisch begleitet von Harry de Winter, waren am vergangenen Wochenende rund 110 Zuschauer gekommen.

"Das war eine ganz tolle Sache mit ungewöhnlichen Lichteffekten", sagte Jann de Buhr, Vorsitzender des Vereins - eine Neuheit für den Veranstaltungsraum im Packhaus der Windmühle, die gut bei den Leuten ankam. Das mache Mut für weitere Veranstaltungen, die der Verein für das laufende Jahr plant. (...)

Karin Lüppen


Das Böse kehrt ins Steinhaus zurück

Kai Kurgan begeistert Publikum
Rheiderland Zeitung, 18. Mai 2015

Bunderhee.
Gleich drei düstere Geschichten von Kai Kurgan haben im Steinhaus Bunderhee Premiere gefeiert. Der Autor aus dem Rheiderland begeisterte mit seinem Programm »Steinschlag« bei den beiden ausverkauften Vorstellungen am Wochenende wieder sein Publikum, das vom Dudelsackspieler "Boeries" begrüßt wurde. Der schwarze Prophet sorgte bei seinem Heimspiel mit seiner markanten Stimme ein weiteres Mal für Gänsehaut unter den Zuhörern.

Bereits fünfmal in den vergangenen Jahren hatte Kai Kurgan das Steinhaus in ein Gruselkabinett verwandelt. Auch bei der sechsten und siebten Vorstellung überzeugte er sein Publikum. »Er hat einfach eine besondere Stimme«, war Bundes Bürgermeister, Gerald Sap, vom „Schauerspiel“ des schwarzen Propheten beeindruckt.

In schwarzer Kluft stand Kai Kurgan an seinem Altar und las seine düsteren Geschichten vor. Gleich die erste Erzählung war eine Premiere: »Der Spalt«. Drei Freunde entdeckten in einem alten Haus einen Jungen, der dort von seinen Eltern vor den anderen Dorfbewohnern versteckt wird. Wieso? Martin ist eine Missbildung der Natur. Er hat keine Zähne, keine Lippen. Doch er sucht die Nähe von Menschen. Er sucht nach Freunden, um die Einsamkeit besser überstehen zu können, bevor seine Eltern erst abends zurückkehren. Die vier Jungs freunden sich an. Doch eines Tages fehlt einer von ihnen - der »schöne« Christoph, der später im dunklen Verließ von Martin entdeckt wird. Der Anblick ist grausam, denn ihm fehlen Zähne und Lippen. Jetzt kann Martin wieder lächeln.

Begeistert hat die Zuhörer auch die Geschichte »Roelfs Rückkehr«. Roelf ist ein Walfänger. Nach seinen Jagden kehrt er immer wieder nach Borkum zurück. Dort wartet über all die Jahre seine Liebste auf ihn. Während Roelf auf See war, vereinbarten er und seine Frau ein Ritual. Jeden Abend zu einer bestimmten Zeit zündeten sie selbstgemachte Trankerzen an, um zeitgleich an ihre starke Liebe zu denken. Doch mit der Zeit hat Roelf keine Lust mehr auf die brutale Waljagd. Er war ein Held auf der Insel, der er gar nicht mehr sein wollte. Nach seiner Rückkehr will er seine Sina mit seiner Entscheidung überraschen. Doch seine Liebste hat bereits Besuch von Klaas, dem Inselvogt. Sina hat eine Affäre. Dann geht Roelf ein letztes Mal auf eine brutale Jagd...

Für die düstere Stimmung sorgte mit den passenden Licht- und Soundeffekten wieder Harry de Winter aus Wymeer. Der »Klang- und Lichtmeister«, so Kai Kurgan, untermalte die Erzählungen mit Regen, Wind und Schreien »auf den Punkt«.

Als Zugabe konnten sich die Zuhörer über die Geschichte »Feierabend« freuen, die genauso begeisterten Applaus erntet, wie die drei Premieren-Geschichten im Steinhaus.

Tim Boelmann


Kai Kurgan versendet "Schauerwellen"

Ems Zeitung, 10. September 2015

Aschendorf.
An einem sonnigen, lauen Nachmittag brauchte es etwas Nachhilfe, um das Aschendorfer Publikum in die richtige Stimmung für Kai Kurgans "Schauerwellen" zu versetzen. So verharrten etwa 70 Zuhörer minutenlang im abgedunkelten großen Saal von Haus Altenkamp und ließen sich bei spärlichem Kerzenlicht akustisch berieseln von Regen und Donner aus der Konserve, den Blick auf ein schwarzes Stehpult gerichtet.

Kai-Uwe Hanken alias Kai Kurgan startete gleich zu Beginn der Lesung durch: Ein Totenschädel grinste dem Publikum vom Pult entgegen. Dann trat mit Blitz und Nebel eine schwarz gewandete Gestalt durch die Reihen und ließ mit tiefer Stimme wissen: "Ihr müsst nicht glauben, was ich euch nun berichte, aber lasst es Euch eine Warnung sein!"

Damit hatte die "Reise durch die Finsternis" begonnen - ein Reigen düsterer Geschichten um Fischer und Landvögte, Sünder, schwarze Propheten und Glücksucher. Es dreht sich um gottlose Lästerer und Prasser, die unaufhaltsam und unbelehrbar ihrer Strafe entgegenwanken. Um das Meer, das sich hinter dem Deich erhebt, wie ein Tier und alles zermalmt, Häuser, Menschen, Tiere. Um Ströme von Blut aus der nassen Erde und um eine ausgegrabene Hand. Von Anfang an zog Kurgan alle Register und versetzte seine Zuhörer in eine andere Zeit und an einen anderen Ort.

Mit Stimmgewalt, Mimik und Gestik unterstrich er die Lesung seiner eigenen schwarzen Erzählungen. Gewaltig und roh, überraschend und gewitzt, düster und unheimlich ging es darin zu. Schon nach wenigen Minuten wähnte sich das Publikum an der sturmgepeitschten Küste Ostfrieslands, an Bord von Walfängern und inmitten kleiner Hütten pestgeplagter Inseldörfer.

Der Autor aus dem Rheiderland hatte sich dazu die effektvolle Unterstützung von dem Musiker und Produzenten Harry de Winter gesichert, der die Licht- und Soundeinlagen beisteuerte. Gut zweieinhalb Stunden mit einer kleinen Pause dauerte die Lesung, veranstaltet vom Kulturkreis Papenburg.

Böse Vorahnungen, Träume, Todesdrohungen und Weissagungen gehörten Handwerk eines Autors, der Spannung verbreiten will. Vor gut 500 Jahren war die Cosmas- und Damianflut über die Deutsche Bucht hereingebrochen - daran erinnert denn auch der "Prophet aus dem grauen Rheiderland".
Die Zeichen für die Wiederkehr einer solchen Katastrophe würden sich deutlich mehren, und er sei sich sicher, dass es dann auch Papenburg und Aschendorf treffen werde. "Da könnt Ihr noch so große Schiffe bauen, es gibt dann kein Entkommen - auch nicht in Luxemburg."

Als erstaunlich aktuell erwies sich der Prophet auch bei seinem Hinweis auf die neue Technik, das "Elektronetz". Im "Fratzenbuch" und bei "Deine Tube" könne man ihn besuchen.

Weitere Termine der Herbsttour unter kaikurgan.de

Susanne Risius-Hartwig





"Nicht auf Erfolg spekulieren"

Vom Schreiben leben: Zwei Autoren sagen, ob und wie das geht
Ostfriesen Zeitung, 30. Oktober 2015

Berlin/Weener.
Seit ein paar Jahren kann Jan Brandt vom Schreiben leben. „Aber das war und ist nicht planbar“, sagt der gebürtige Leeraner.
Als sein Debütroman „Gegen die Welt“ 2011 für den Deutschen Buchpreis nominiert war und von den Feuilletons großer Zeitungen äußerst positiv besprochen wurde, schnellten die Verkaufszahlen nach oben. „Ich erhielt viel Aufmerksamkeit, was mir eine gute Startposition für neue literarische Projekte verschaffte“, so Jan Brandt.
Der Umgang mit Schrift, Wort und Sprache hat Kai-Uwe Hanken schon als Kind fasziniert. „Insofern war die berufliche Richtung früh klar“, so der Weeneraner. Hauptberuflich Schriftsteller zu sein, war jedoch kein Thema. „Ich habe mich für den Journalismus entschieden. Die Schriftstellerei war mir nicht solide genug, insbesondere, was das Finanzielle angeht.
Dessen ist sich auch Jan Brandt bewusst, weshalb er nicht von den Verkäufen seiner Bücher abhängig sein wollte: „Man kann und darf nicht darauf spekulieren, dass ein Buch ein Erfolg wird.“ Brandt hat sich mit dem Journalismus ein zweites Standbein aufgebaut und schreibt freiberuflich für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Die Zeit“. Bei Kai-Uwe Hanken ist es genau andersherum: Er ist Chefredakteur der Rheiderland-Zeitung in Weener und schreibt in seiner Freizeit Kurzgeschichten. „Gruselgeschichten und Sagen, die mit Lokalkolorit gewürzt sind, haben mich schon immer begeistert“, sagt er – und verfasst sie nun selbst.
„Der Journalismus fasziniert mich auch nach 20 Jahren noch. Das kreative Schreiben ist jedoch eine gute Ergänzung“, sagt Hanken. Um das journalistische vom literarischen Schreiben für sich abzugrenzen, verfasst Kai-Uwe Hanken seine Erzählungen unter dem Pseudonym Kai Kurgan.
Am Wichtigsten in seiner Co-Existenz als Autor sind Kai-Uwe Hanken die Lesungen. „Hier genieße ich die Freiheit, das tun zu können, was ich möchte“, sagt er. Für eine gewisse Zeit könnte er sich vorstellen, mit seinem Lesungsprogramm durch die Lande zu touren, „aber auf Dauer kann ich mir dieses unstete Leben nicht vorstellen“.
Dass ein Autor viel mehr tun muss, als nur zu schreiben, bedauert Jan Brandt mitunter. Lesereisen und Auszeichnungen wie jüngst ein dreimonatiges Stipendium in der Villa Aurora in Los Angeles führen ihn rund um den Globus. „Mir ist für mein Schreiben aber Routine wichtig“, beschreibt er das Dilemma, vor lauter Reisen nicht genug Zeit zum Schreiben zu haben – und wie er dieses gelöst hat. Im kommenden Jahr erscheint ein Buch mit literarischen Reportagen über seinen Aufenthalt in Kalifornien.

Insa Segebade





Zu viel Schauer für die Feuerwehr

Atmosphärischer Leseabend am Borkumkai mit Kai Kurgan - und unerwarteten Gästen
Emder Zeitung, 16. November 2015

Emden.
Die Reise in die Finsternis wurde gestoppt, bevor sie beginnen konnte. Die Nebelmaschine war schuld. Denn das, was sie am Freitagabend ins Fährterminal am Borkumanleger blies, war einfach zu viel für die Rauchmelder unter der Decke. Entsprechend belustigt waren die mehr als 150 Zuschauer über das plötzliche Piepsen, das so gar nicht zum düsteren Ambiente und zum finsteren Einmarsch von Kai Kurgan passte. Er, oder besser gesagt der Autor Kai-Uwe Hanken, der hinter dem Pseudonym steckt, war auf Einladung des Zonta-Clubs Leer gekommen, um schaurige Geschichten von der Friesenküste vorzulesen.
Für entsprechende Stimmung sorgten unzählige Grabkerzen, Donner aus den Lautsprechern - und diese inbrünstig tiefe Stimme von Hanken. Dass der Mann im langen schwarzen Gewand aber auch Humor hat, musste er dann recht schnell unter Beweis stellen, nämlich als das minutenlange Piepsen zwar ein Ende hatte, folglich jedoch draußen die Drehleiter vorfuhr und drinnen ein Feuerwehrmann in voller Montur zwischen den Stuhlreihen auftauchte und nach dem Rechten schaute.
Schließlich konnte der „Schauerabend” aber beginnen. Der Rheiderländer Hanken fesselte das Publikum mit seinen Geschichten, unter anderem aus seinem neuen Buch „Schauerwellen und Schattenseiten”. Allgegenwärtig dabei der Tod - mal in Form einer roten Plage, mal in Form von dampfendem Blut, zerplatzenden Augäpfeln oder Nägeln in Köpfen. Die Texte waren literarisch und inhaltlich mal mehr, mal ein bisschen weniger packend. Doch dank der Ton- und Lichteffekte und vor allem der verbalen Strahlkraft Hankens wurde jede der Storys zu einem kleinen Erlebnis.
Der Erlös der Veranstaltung war eigentlich für „Moje Tieden” bestimmt - einem Projekt, dass der Zonta-Club ins Leben gerufen hat, um etwas gegen Altersarmut von Frauen in Ostfriesland zu tun. Nur war den Verantwortlichen recht schnell klar, dass das Malheur mit dem Rauchmelder und dem anschließenden Feuerwehreinsatz nicht ohne finanzielle Folgen bleiben würde.
Um diese Kosten zu decken und vielleicht doch noch etwas für den guten Zweck übrig zu haben, wurde im zweiten Teil des mehr als zweieinhalbstündigen Abends kurzerhand eine Büchse durch die Stuhlreihen gereicht. Die Zuschauer zahlten brav ein - schließlich hatte sie Kai-Uwe Hanken an diesem Freitag, dem 13., vorher ja auch stilecht ins Gebet genommen: „Dieser Feuerwehreinsatz ist eine Erblast für uns alle.”

Patrick Plewe





Unheilvolle Prophezeiungen

Buchpremiere: Kai Kurgan liest Schauergeschichten im Fährterminal am Emder Außenhafen
Ostfriesischer Kurier, 16. November 2015

Emden/ind.
"Seid mir gegrüßt, edles Volk aus Emden! Aus dem grauen Rheiderland bin ich zu euch gekommen, um die unheilvolle Botschaft zu überbringen. Ich tue Böses, damit ihr Gutes tun könnt."
Mit diesen Worten begrüßte Kai Kurgan am Freitag rund 170 Gäste seiner Lesung im Fährterminal der AG Ems am Borkumanleger. Düstere Geschichten und Gestalten und dazu jede Menge Sturm- und Wortgewalt - das sind die Zutaten für die "Schauerabende" mit dem selbsternannten "schwarzen Propheten". Die sind in Ostfriesland längst kein Geheimtipp mehr- neu ist dagegen das jüngst im "Ostfriesland Verlag - SKN" erschienene Buch "Schauerwellen und Schattenseiten", aus dem der Autor passenderweise an diesem Freitag, den 13., erstmals las.
Hinter dem Pseudonym Kai Kurgan verbirgt sich der 44-jährige Journalist und Autor Kai-Uwe Hanken aus dem Rheiderland, der seit Jahren mit Lesungen fasziniert, die über den üblichen Rahmen hinausgehen. So begeisterte er auch an diesem Abend mit unglaublicher Bühnenpräsenz, Wortwitz und kraftvoll-herber Stimme - und entführte sein Publikum auf eine Reise an den Abgrund. Seine schwarzen Geschichten spielen an der Friesenküste, an sturmgepeitschten Stränden, in finsteren Forsten und grauen Gemäuern. Sturm und Regen am Außenhafen, Kerzenlicht-Ambiente im Fährterminal, vor allem aber die dramatischen Ton- und Lichteffekte des niederländischen Produzenten Harry de Winter untermalten das schaurige Ereignis. Allein die künstlich erzeugten Nebelschwaden, die den schwarzgewandeten Kurgan effektvoll umwabern sollten, verfehlten am Schauplatz Fährterminal ihren Zweck: Erst löste der Rauchmelder aus, wenig später rückte die Feuerwehr in voller Montur an. Eine Panne, die Publikum und Autor gleichermaßen erheiterte. Den Rahmen für diesen "Schauerabend" bot die "Krimi-Lounge" des Zonta-Clubs Leer-Ostfriesland, dessen Einladung Kai Kurgan gefolgt war. Die Frauen des ostfriesischen Service-Clubs veranstalteten bereits zum vierten Mal eine Lesung für den guten Zweck. Der Erlös ist für das Projekt "Moje Tieden" bestimmt - eine Initiative, mit der sich der Zonta-Club gemeinsam mit Kirchengemeinden und Diakonien in Aurich, Emden und Leer gegen Altersarmut von Frauen in Ostfriesland einsetzt. "Kürzlich haben wir zum Beispiel einer 95-Jährigen ein Paar orthopädischer Schuhe finanziert", schilderte Silke Arends, Gründungsmitglied des Service-Clubs und Organisatorin des Krimi-Abends. Der Zonta-Club hat im Rahmen dieses Projekts jüngst auch die "Diaconie der Fremdlingen Armen" in Emden für gemeinsame Hilfeleistungen gewinnen können und stellt deshalb den Erlös der Lesung der "Diaconie" zu Verfügung.
In der Pause zwischen den Auftritten Kurgans war Raum für Konversation und Kulinarisches, und am Ende der gut zweieinhalbstündigen Veranstaltung entließ der Autor sein Publikum mit einem augenzwinkernden Hinweis auf sein am Bücherstand zu erstehendes Werk: "Das Ende ist nah, aber Weihnachten ist noch näher."


Stromausfall sorgte für Finsternis

Autor Kai Kurgan las am Freitag, unterstützt von Licht- und Musikeffekten, im Moormuseum Moordorf
Ostfriesische Nachrichten, 24. November 2015

Moordorf.
Der zehnminütige Stromausfall mitten in der Lesung konnte Kai Kurgan nicht stoppen. Der Autor aus dem Rheiderland machte einfach ohne Spezialeffekte weiter, zuerst mit einer Taschenlampe, dann mit einem kleinen Strahler – und vor allem mit seiner gewaltigen und rohen Stimme, die er durch ausdrucksstarke Mimik und Gestik unterstrich. „Willkommen in der Finsternis – Menschen von Moordorf!“, scherzte Kurgan, der mit bürgerlichem Namen Kai-Uwe Hanken heißt.
Allgemein herrschte am Freitagabend eine ungewohnt düstere Atmosphäre in der sonst so beschaulichen Teestube „Kluntjehus“ im Moormuseum Moordorf. Unzählige Grabkerzen, Nebel und Donner aus den Lautsprechern sorgten für eine gruselige Stimmung. Hinter dem mit Totenkopf und anderen Utensilien geschmückten Lesepult stand der Autor im langen finsteren Gewand.
Kurgan nahm die Zuhörer mit auf eine unheimliche Reise durch die Finsternis. „Seid gegrüßt, ihr Menschen von Moordorf“, begann er und setzte fort: „Ein erlesener Zirkel, wie es mir erscheint.“
Geschichten über dunkle Gestalten aus düsteren Zeiten in Ostfriesland, erzählt mit der inbrünstig tiefen Stimme des „schwarzen Propheten“, erzeugten bei den Besuchern kalte Schauer.
Trotz dieses finsteren Anstrichs blieben die „Schauerwellen und Schattenseiten“ dank des Wortwitzes und behutsam eingesetzter Übertreibungen
in der Darstellung des Geschehens durchgehend amüsant. Zusätzlich sorgten Lichteffekte und die Musik mit Klopfen, Donnern und tiefen Bass-Geräuschen bei dieser „Erlebnis-Lesung“ für Aufregung.
Und nach dem kurzen Stromausfall konnte Kai Kurgan mit dramatischen Effekten des Klang- und Lichtmeisters Harry de Winter die Lesung fortführen.
Zuschauer Theodor Pabst sagte den ON hinterher: „Ich hatte keine Erwartungen und bin sehr positiv überrascht. Die Atmosphäre und die Stimmung kamen richtig gut an.“ Das Rezept des Autors: Hanken setzt gezielt auf Lokalkolorit und ist damit sehr erfolgreich. Der „norddeutsche
Charakter“ in seinen Erzählungen findet beim Publikum offenbar Zuspruch. Sowohl die schwarzen Geschichten als auch der Humor kommen mit viel mehr Biss daher und zeigen, dass im überreizten Genre des historischen Lokalkrimis weiterhin Impulse gesetzt werden können. Der Autor
lud die Gäste von Fall zu Fall mit falschen Fährten und undurchsichtigen Nebenfiguren zum Mitraten ein. So blieb es durchgehend überraschend,
düster und unheimlich, aber auch gewitzt.
Die Qualität der Lesungen und das Zusammenspiel des gleichermaßen dramatischen wie komödiantischen Potenzials machen Hoffnung auf neue Fans für Kurgan, denn diese Geschichten haben das Zeug dazu, selbst Lese-Muffel dauerhaft anzusprechen.
Der Anspruch, den Hanken an die Erlebnis-Lesungen erhebt, spiegelt sich auch in der Inszenierung wider, bei denen er mit einer dunkleren Farbpalette arbeitet als bei Lokalkrimis gewohnt. Das kam bei den Zuschauern im Moormuseum so gut an, dass sie am Ende drei Zugaben forderten.

"Fangfahrt" setzt auch "Heike" ein Denkmal

19.März 2016, Rheiderland Zeitung
von Michael Hoegen

Auf »Fangfahrt« ins Grauen - die Geschichte des Kutters »Radbod« hätte sich auch an Bord der »Heike« abspielen können. Zum Glück ist das alles nur ein Hörbuch.

Jemgum.
Das Hörbuch-Projekt »Fangfahrt« ist wohl auch wegen seines ganz besonderen Verhältnisses zu einem Schiff entstanden, wie Kai Kurgan selbst gesteht. Es ist der Kutter »Heike«, dem der Autor aus Weener tiefe Gefühle entgegen bringt - und deshalb trat er »aus Liebe zum Kutter« auch dem Verein »Ostfriesische Krabbenkutter« bei.

Auf den leicht schwankenden Planken des Holzschiffes hieß es am Donnerstag »frisch auf den Tisch« - Kurgan stellte in dem zur Kajüte umgebauten Frachtraum sein aktuelles Hörbuch »Fangfahrt« vor. Kai-Uwe Hanken - so der bürgerliche Name des Autors - ist gerne an Bord der »Heike«, und als Idee für eine Lesung an Bord des Traditionsschiffes entstand die Geschichte »Fangfahrt«. Aber bei der reinen Schriftform der Schilderung der verhängnisvollen Ausfahrt der »Radbod« mit Kapitän Hajo Kaymer am Steuer blieb es nicht. Es entstand die Idee für ein neues Projekt, die Kutter-Geschichte auf CD zu bringen. Harry de Winter hatte als kongenialer Partner von Kai Kurgan genügend Tonmaterial bei Fahrten des Kutters unter realen Bedingungen in den digitalen Speicher gebannt. »Es ist eigentlich schon ein Hörspiel geworden.« Zwei Gastsprecher, der junge Bunder Nicolai Zobjack und seine Mutter Angelika, wirkten bei der Hörbuch-Produktion mit. »Wir transportieren ein ganz rundes, lebendiges Bild.« Sound- und Musikeffekte aus dem Studio von Harry den Winter taten ein übriges, um ein überzeugendes Ergebnis zu schaffen. »Bei einem Lied habe ich mich auch als Sänger versucht«, ist Kai Kurgan auch in ganz besonderer Weise kreativ geworden beim Bonustrack »Schattenseiten«, der auf dem »Fangfahrt«-Hörbuch zu finden ist. Und mit »Der Fall Johannes Drangmann« ist eine Bonusgeschichte über einen grauenhaften Mord in einem Fischerdorf ebenfalls als zusätzlicher Anreiz auf der Hörbuch-CD zu finden. Sie bietet fast 65 Minuten Material. Fast ein Jahr haben Kurgan und de Winter an der neuen Produktion gearbeitet. »Im Prinzip ist es ein Film, nur dass man kein Bild hat«, so das Urteil des Produzenten Harry de Winter. »Wir setzen dem Kutter damit ein aktustischs Denkmal«, so Kurgan.

Bis zu 200 Arbeitsstunden waren nötig, um an eine Stunde fertiges Material zu kommen. Da ist Fischfang doch einfacher. »Wir sind Wilfried Voß sehr dankbar«, betonen beide. Der Kapitän der »Heike« hat eng mit ihnen zusammengearbeitet.

Die »Fangfahrt« soll als Hörbuch auch noch Premiere an Bord der »Heike« feiern. »In Jemgum und Ditzum ist das schwierig wegen der Wasserstände«, so ihr Kapitän Wilfried Voß. Jetzt ist im Sommer die Hörbuch-Premiere auf der »Heike« geplant, im gezwungenermaßen exklusiven Rahmen. Denn mehr als 20 Passagiere passen nur mit Mühe in die Kajüte des 15-Meter-Kutters.

Am 25. März stellt Kai Kurgan sein neues Hörbuch auch auf dem Festland im Hotel »Am Rathaus« in Weener vor. Das vor ausverkauftem Saal - »innerhalb einer Woche waren alle Karten vergriffen«. Im Handel gibt es die »Fangfahrt«-CD schon zum Preis von 9,90 Euro zu kaufen, unter anderem bei der Rheiderland Zeitung in Weener, in der Buchhandlung Klinkenborg in Weener und bei Borus in Bunde.

Der Verein »Ostfriesische Krabbenkutter« hält den 1964 auf der Bültjer-Werft in Ditzum gebauten Kutter seit 1996 in Fahrt, 182 Mitglieder finanzieren mit 13 Euro Jahresbeitrag den laufenden Betrieb mit. Der Verein ist Eigner der »Heike« und sammelt auch Spenden. In Kürze ist ein Werftaufenthalt bei Bültjer mit Reparaturen an der Reling geplant.

In diesem Jahr wird die »Heike« die »Sail« im niederländischen Delfzijl vom 29. Juni bis 3. Juli und vorher die »Emder Matjestage« vom 27. bis 29. Mai besuchen. Der Kutter ist auch schwimmendes Standesamt. 2015 gaben sich 13 Paare an Bord der »Heike« das Ja-Wort.

Heimkehr des schwarzen Propheten

29.März 2016, Rheiderland Zeitung
von Michael Hoegen

Kai Kurgan stellte in Weener sein neues Hörbuch »Fangfahrt« vor

Weener.
Der Saal des Hotels »Am Rathaus« war am Freitagabend ausverkauft. Auch die Friesenbrücke spielte bei der Lesung eine Rolle. Da sage noch mal einer, der schwarze Prophet gelte nichts im eigenen Land. »Ich hatte nicht mit so einer gigantischen Resonanz gerechnet«, zeigte sich Kai Kurgan alias Kai-Uwe Hanken am Freitagabend am Ende der Vorstellung mehr als beeindruckt von den bis auf den letzten Stuhl besetzten Zuschauerreihen im Saal des Hotels »Am Rathaus«. Schätzungsweise 170 Zuhörer drängten sich im ausverkauften Saal, um die »Schwarzen Schriften« des Weeneraners näher kennen zu lernen.

Sieben Jahre ist es her, seit Kurgan, damals noch unter seinem bürgerlichen Namen Hanken, einen schauerlichen Abend im Obergeschoss der Stadtbücherei am Vogelsang gestaltete. Damals waren auch noch Fremdtexte Bestandteil des Programms, heute bestreitet Kurgan seine Leseabende in der ganzen Region durchweg mit eigenem Material. Ein Gastspiel in seiner Heimatstadt hatte nach dem Bücherei-Abend irgendwie nicht in den Tourneeplan gepasst.

Im Hotel »Am Rathaus« stellte der Autor am Freitag offiziell sein gerade erschienenes neues Hörbuch »Fangfahrt« vor. »Es ist mir eine besondere Ehre, dass der Kapitän der ´Heike´ heute hier ist«, begrüßte Kurgan Wilfried Voß unter den Zuhörern. Die »Heike« spielt eine besondere Rolle auf der »Fangfahrt«, und das Hörbuch setzt dem Traditionskutter auch ein multimediales Denkmal.

Keine Show ohne Intro. Und dieses präsentiert den schwarzen Propheten auf seiner Mission, die Welt von der alles verschlingenden großen Flut zu retten, auf der Brücke eines Frachters auf der Ems mit Kurs Weener. Zu dumm nur, dass der merklich durch Alkohol angeschlagene Kapitän sich mehr mit Wodka als mit Navigation auskennt. Es kommt, wie es kommen muss, das Schiff rammt in voller Fahrt die Friesenbrücke, und sein Passagier Kai Kurgan wird in einem Zeitsprung vom 3. Dezember 2015 auf den 25. März 2016 sozusagen auf die Bühne geschleudert. »It´s funny how things go«, kommt dazu der Gesang vom Band, und das letzte befreiende Lachen aus dem Publikum ist dem Protagonisten sicher.

Jetzt ist nämlich Schluss mit lustig. »Das Ende ist nahe. Die Tore der Hölle öffnen sich«, beginnt der Streifzug durch die Finsternis mit einer düsteren Prophezeiung. Es geht um Menschen, ihre Laster – Gier und Gottlosigkeit. Wir schreiben das Jahr 1509. Und die reiche Stadt Torum wird immer mehr zum Babylon des Rheiderlandes. Die Torumer wollen den Naturgewalten trotzen und schrecken auch nicht vor dem letzten Tabu zurück – ein Menschenopfer soll das Wasser zur Ruhe bringen. Doch die alles verschlingende Flut lässt sich nicht aufhalten.

Dem Kurgan-Klassiker »Die letzten Tage von Torum« folgt eine Geschichte, die gerade mal vier Tage alt und ist ihre Premiere im Saal des Hotels »Am Rathaus« erlebte. Es geht um eine Krähenplage, das Thema ist auch in Weener nicht ganz unbekannt. Und eine Frage ist, was Krähen von Ratsresolutionen halten. Weder Verhaltensregeln aus den Reihen der Politik noch andere probate Mittel der »Vergrämung« interessieren die schwarzen Vögel. Die Stadt greift zu anderen Methoden, nimmt es mit vertraglichen Dingen nicht so ganz genau, und das Ende ist natürlich grausam.

Ähnliches gilt für die Geschichte von Klaus, dem Walfänger auf Borkum und seinen Nebenbuhler, der ein jähes und grausames Ende findet. Hier kommen die »verstörenden Elemente« zum Tragen, vor denen der Autor im Kleingedruckten seiner Eintrittskarten warnt. Für Kinder nicht geeignet.

Von der »Fangfahrt«-CD serviert Kurgan »Der Fall des Johannes Drangmann«. Was hat von der Seele eines einfachen Hafenarbeiters Besitz ergriffen und ihn zu einer abscheulichen Mordtat getrieben, die ihn und seine ganze Familie auslöscht? Im Fischerdorf Loggersiel regiert das Entsetzen. »Der Fall« ist nichts für Menschen, die keine kleinen Krabbeltierchen mögen. Der Dämon stirbt schließlich durch Feuer – oder nicht? Es bleiben finstere Träume, und eine deutliche Gänsehaut bei den Zuhörern im dunkeln und zumindest in den vorderen Reihen nebelgeschwängerten Saal.

Ganz spezielle Kulinarik regiert die Geschichte des Grafen Jakob aus Hannover, der bei seinem Besuch bei einem friesischen Grafen seine Zunge nicht hüten konnte. Eine Lästerei mit blutigen Folgen. Zu dumm. Als angerichtet und schließlich serviert ist, wirft sich Kurgan in seinen weißen Bademantel. »Der Abend neigt sich dem Ende – jetzt werden wir gemütlich.« Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Warten auf Vera. In ihrem Namen steckt auch das Wort Wahrzeit. Und die ist finster genug.

Ähnliches gilt für die böse Satire »Feierabend auf der Ems«. Man sollte vorsichtig sein, wenn man sich an Bord einer Fähre begibt. Wieder ist es sprachliche Präzision, geprägt durch Verdichtung, die das Kopfkino bei den Zuhörern in Gang hält. Der Protagonist auf der Bühne geht dabei auch an seine stimmlichen Grenzen. Wer wünscht den beiden Ruhrpott-Rentnern Horst und Lisbeth auf dem Weg zum Wellness-Hotel nach Emden schon etwas Böses? Die Geschichte kippt und findet ein nasses Ende, wie auch der Abend mit den »Schwarzen Schriften«. Und der schreit nach einer Fortsetzung.

Meeresrauschen und wabernder Nebel

30.März 2016, Ostfriesen Zeitung
von Insa Segebade

Die Lesung mit Kai Kurgan in Weener war ein Ereignis für alle Sinne


Weener.
"Bei ihm ist einfach alles stimmig!" Zum zweiten Mal besucht Burkhard Hopp aus Backemoor am Freitagabend eine Lesung von Kai Kurgan alias Kai-Uwe Hanken. Der Autor gibt ein Heimspiel im mit 150 Gästen ausverkauften Saal des Hotels am Rathaus in Weener. Burkard Hopp sticht rein äußerlich aus der Menge hervor, wirkt mit seinem Stoppelhaarschnitt und langen, schwarzen Mantel wie ein Ebenbild des Autors, der an diesem Abend sein Hörbuch "Fangfahrt" vorstellt, das in monatelanger Arbeit im Studio von Harry de Winter in Wymeer entstanden ist.

Harry de Winter, den der Autor zu Beginn der Lesung als seinen "getreuen Vasallen" vorstellt, ist es auch, der Kai Kurgan optisch und akustisch in Szene setzt, wobei er alle Register zieht. Meeresrauschen, Möwengeschrei und ein Schiffstuten, das im Zwerchfell nachvibriert, erfüllen zuerst den verdunkelten Saal, in dem nur vorne am Lesepult eine Kerze flackert, die bald von dichten Nebelschwaden umgeben ist.
"Kapitän, zum Teufel, was ist los? Warum fahrt Ihr nicht schneller?", mischt sich schließlich die Stimme des schwarzen Propheten, dessen Rolle Kai Kurgan ausfüllt, in die Geräuschkulisse. Der schwarze Prophet ist auf dem Weg nach Weener, "um Euch zu erretten", wie er dem Publikum kurz darauf mitteilt. Immer schneller fährt das Schiff, auch wenn der Kapitän warnt, dass die Brücke, der sie sich nähern, viel zu niedrig ist. Ein ohrenbetäubender Lärm bestätigt ihn, als das Schiff die Brücke rammt - und jeder der Zuhörer unweigerlich an die Kollision eines Schiffes mit der Friesenbrücke denkt.

Auch, wenn Kai Kurgan das Publikum mit seinen Geschichten in die ferne Vergangenheit reisen lässt, spielt er in seinen Zwischenmoderationen immer wieder auf Gegebenheiten in der Gegenwart an - wie auf die kaputte Friesenbrücke. Die Geschichten selbst, die zartbesaitete Gemüter mitunter aufstöhnen lassen, wenn zuviel Blut fließt, folgen doch am Ende stets dem Gesetz der Gerechtigkeit, nach dem jede böse Tat vergolten wird. Erlösung bietet auch der Autor an, indem er sein Hörbuch und sein Buch "Schauerwellen und Schattenseiten" als Ablassbriefe anpreist. Schließlich habe er gehört, dass auch "euch in Weener das Wasser bis zum Halse steht".



Ein Fischkutter auf seiner Fahrt ins Verderben

16.April 2016, Ostfriesischer Kurier
von Werner Jürgens

Neuer Tonträger von Kai Kurgan erschienen / Rheiderländer Journalist und Autor Kai-Uwe Hanken
begibt sich mit seinem Alter Ego dieses Mal auf große „Fangfahrt

Weener.
Das mit der lustigen Seefahrt überlässt er gerne den anderen. Wenn Kai Kurgan von der Waterkant erzählt, kann und sollte man sich darauf einstellen, dass es stattdessen eher gruselig zugehen wird. Folgerichtig regiert auf „Fangfahrt“, so der Titel des gerade erschienene neuen Tonträgers des finsteren Gesellen aus dem Rheiderland, einmal mehr der blanke Horror.

Die Geschichte startet gleich spektakulär. Zu Beginn wird eine Stadt von Tod und Terror heimgesucht. Nachdem das Chaos und die Schreie verstummt sind, wechselt die Szenerie, und die Hörer finden sich an einem frühen Herbstmorgen auf dem Kutter „Radbod“ wieder. Seit drei Tagen sitzen Kapitän Hayo Kaymer und sein Matrose Hendrik im Hafen fest. Ein Sturm hat sie am Auslaufen gehindert. Kasse und Stimmung sind auf dem Nullpunkt. Wenn er nicht bald etwas fängt, wird Hayo den Kutter verkaufen müssen. Zu allem Überfluss ist kürzlich seine Frau gestorben. Darum ist er froh, als er endlich raus aufs Meer kann. Unterwegs stößt man auf einen anderen Kutter, der durch das Unwetter völlig zerstört worden ist. Vom Kapitän fehlt jede Spur. Lediglich den Schiffsjungen Aaron können Hayo und Hendrik retten und nehmen ihn zu sich an Bord. Das entpuppt sich zunächst als echter Glücksgriff. Denn das neue Besatzungsmitglied weiß , wo fette Beute winkt. Tatsächlich sind die Netze der „Radbod“ bald bis zum Platzen gefüllt. Wie ihm Rausch schuftet die Crew ohne zu bemerken, wie ihr Kutter allmählich in unbekannte Gewässer abdriftet. Als irgendwann dichter Nebel aufzieht, ist es zu spät. Die Kompassnadel spielt komplett verrückt. Das Funkgerät ist tot. Und das sind nicht die einzigen rätselhaften Dinge, die ab jetzt passieren.

Hinter Kai Kurgan steckt der Rheiderländer Journalist und Schriftsteller Kai-Uwe Hanken, der sich die Gruselgeschichten ausdenkt und sie auch vorträgt. Unterstützt wird er von Harry de Winter, der als Tontechniker für die Geräuschkulisse sorgt. Die vorliegende Produktion hat knapp ein Jahr in Anspruch genommen. Eingeflossen sind dabei jede Menge Original-Töne (z.B. von Maschinen oder Wellenschlag), die zum großen Teil auf dem Ditzumer Traditionskutter „Heike“ entstanden. Zur Simulation des Funkverkehrs wurde eigens ein altes Radiogerät ausgeschlachtet. Durch solche und ähnliche liebevollen Raffinessen ist „Fangfahrt“, genau wie die anderen bisher erschienenen Tonträger von Kai Kurgan, kein reines Hörbuch im klassischen Sinne, sondern vielmehr ein Hörerlebnis, das selbst etliche Hörbuch-Skeptiker, unweigerlich in seinen Bann ziehen wird. Die gespenstisch-unheilvolle Stimme des Vortragenden wird allerdings nie von den Geräuschen „untergebuttert“, sondern ist und bleibt stets das zentrale und bestimmende Element. Bezeichnenderweise wächst auf „Fangfahrt“ der Gänsehautfaktor je stiller es draußen um den Erzähler herum wird und umso mehr seine Person in den Fokus rückt. Stanley Kubrick und „The Shining“ lassen schön grüßen.

Aber damit längst nicht genug. Die neue CD von Kai Kurgan enthält darüber hinaus noch zwei außergewöhnliche „Bonus-Tracks“. Einer davon ist ein gut achtminütiger Song, der den düsteren Titel „Schattenseiten“ trägt und musikalisch insbesondere Fans von schleppend-morbidem Doom Metal à la „Type O Negativ“ sehr ansprechen dürfte. Der zweite Bonus-Track dauert auch noch einmal knapp 20 Minuten und erzählt eine weitere Schauer-Story über einen Hafenarbeiter, der scheinbar ohne erkennbaren Grund seine komplette Familie ermordet und schließlich sich selber tötet. Fassungslos fragt sich die Nachbarschaft, was den bis dato als eigentlich kreuzbrav und sanftmütig geltenden Mann bloß zu dieser Bluttat getrieben haben mag. Die Auflösung, so viel sei an dieser Stelle verraten, dürfte vor allem Menschen, die Angst vor Spinnen haben, vermutlich nicht sonderlich behagen. Sie sollten dieser letzten Geschichte deswegen vielleicht nicht unbedingt alleine im Dunkeln lauschen.

Die CD „Fangfahrt“ von Kai Kurgan kann am besten direkt über die Internetseite des Künstlers bestellt werden. Die Adresse lautet: www.kaikurgan.de. Dort findet man auch eine Terminübersicht aktueller Live-Veranstaltungen. Die nächste Lesung findet am 20. April in der Mühle in Neermoor statt.